Die Ibanez hatte Vinko zum fertig machen gekauft. Aber er schaffte es zeitlich nicht. Also kam er zu mir.
Alle Teile hatte er schon besorgt. Aber erstmal die Gitarre identifizieren. Die Seriennummer sagte Bj. 1993 hergestellt bei Fujigen in Japan. Für Ibanez Gitarren ist das Wiki auf Fandom erste Anlaufstelle für Informationen. Ich tippte zunächst auf eine RG-770 DX. Tremolo (Lo-Pro Edge), Form, Pickups und Baujahr passten. Nur das Griffbrettmaterial nicht.
Die Identifikation war wichtig, da die Bolzen des Tremolos hin waren und noch besorgt werden mussten.. Nach Abschrauben des Halses fand sich am Fuß auch das Modell - RG-770 G. Die technischen Daten waren wie bei der DX. Auch das Tremolo. Putzig war, dass lt. Wiki die 770 G von 94-96 im Programm war. Die Gitarre war aber lt. Seriennummer von 1993. Also musste sie ein der ersten sein.
Die Teile waren alle vollständig. Nur der neue Schalter passte nicht. 12 polig. Noch nie gesehen. Die Suche ergab, dass der nicht für die Gitarre war, sondern für eine RG550XH. Die RG-770 G hat einen "normalen" 8-poligen Schalter und wird geschaltet wie eine JEM.
Die Elektrik war komplett zerlegt. Die Bünde hatte starke Spielspuren, schienen aber noch gut zu sein. Und sie hatte ein paar Lackablatzer. Irgendein Idiot hatte mal anstelle des "normalen" Klingenschalters ein 12mm Loch gebohrt umd einen Toggleswitch (wie bei LesPaul etc.) einzusetzen. Überhaupt schien an der mal einer ohne viel Ahnung gebastelt zu haben. Am Boden der Fräsung für den mittleren Pickup war ein Massekabel angeschraubt. Aber ohne die Fräsung abzuschirmen (Lack, Alu- oder Kupferfolie). So sinnvoll wie ein Elektromotor ohne Stromversorgung.
Zuerst wurden die Spielspuren weggefeilt und dann abgerichtet. Spannende Frage - reicht die Bundhöhe noch aus? Nachgemessen und das tat sie. Also alle Bünde verrundet und die Bundenden mit Micromesh Pads geschliffen und poliert. Das mache ich immer vor dem Polieren. Ist ärgerlich, wenn man abrutscht und Kratzer auf die neu polierten Bünde macht. Danach die Bünder erst mit 800er Schleifpapier geschliffen, dann mit 1000er und anschließend poliert.
Der Body
Da waren es 4 Stellen, wo was zu tun war. 2 fette Abplatzer an der Kante, eine Delle auf der Vorderseite und das Riesenloch, wo irgendein Trottel einen Toggleswitch statt des normalen Bladeswitch montiert hatte.
Das Loch für den Schalter nervte mich. Also verdübelt. Schlimmer kann es nicht werden.
Zuerstmal wurden die Schadstellen mit dünnflüssigen Sekundenkleber stabilisiert damit kein weitere Lack abplatzt. Danach eine (ziemlich) passende Farbe gemischt, auf die Schadstellen aufgebracht und dann mit mittelviskosem Sekundenkleber aufgefüllt. 24 Stunden durchhärten lassen, planen und nochmal.
Das geschieht immer in mehreren Schichten. Sonst gibt es beim Trocknen Gasblaseneinschlüsse.
In kleine Löchlein, die sich im Sekundenkleber beim Planen auftun wieder Farbe (sonst gibt es weisse Stellen) wieder 24 Stunden trocknen lassen, wieder Sekundenkleber, wieder 24 Stunden trocknen lassen, usw.. Dauert also. Mehrere Tage.
Warum erst Farbe und dann Sekundenkleber? Früher habe ich es andersrum gemacht. Bringt man aber zuerst den Sekundenkleber auf ist nach dem Bearbeiten der Kleber plan mit der Oberfläche. Farb- und Klarllack geben also einen Huckel und das ist schwierig anzupassen. Da schleift man ratzfatz durch die Farbschicht und fängt von vorne an.
Dann kam der Klarlack. Lackieren, trocken fönen (geht schneller), lackieren, trocken fönen.... Bis man mehrere Schichten hat. Und dann wieder mindestens 24 Stunden durchhärten lassen.
Anschliessend mit 1000er nass geschliffen und poliert. Die Fräsung für den mittleren Pickup erhielt eine Abschirmung mit Abschirmlack.
Elektrik
Erfreulicherweise war die Fräsung für das E-Fach tief genug so dass ein "klassischer" Schalter rein passte. Die sind einfach stabiler als die Asiendinger mit gedruckter Schaltung. Aber oft passt der nicht, weil er höher ist. Und jedesmal rumfräsen? Eher nein.
Zuerst mal die Pickups einbauen. Aber vorher Nord- und Südpol (Humbucker) und die Kabelfarben bestimmen. Be dem neuen DiMarzio Humbucker waren die Kabelfarben klar. Aber welche Spule ist Nord- und welche Südpol? Und wieso muss man das wissen?
Bei den meisten "normalen" Humbuckern ist die Spule mit den geschlitzen Schrauben der Nordpol die Spule gehört Richtung Brücke bzw. Richtung Hals. Bei Humbuckern wie diesem mit Schrauben in allen Polstücken geht es ohne Polfinder nicht. Ein Polfinder hat einen kleinen Magneten in einer kardanischen Aufhängung.

Führt man den an den Pickup zeigt Rot auf den Nord- bzw. Blau auf den Südpol.
Der 2. Humbucker war gebraucht Also Pole bestimmt, mit dem Ohmmeter bestimmt, welche Kabel zusammengehören (Durchgangswiderstand) und dann welche Kabel zu welcher Spule und welches Kabel "hot" ist. Multitester (Gleichstrom) anschliessen und ein Stück Metall (z.B. Kneifzange) von einer Spule wegziehen. Hierbei entsteht durch Induktion ein Gleichstrom. Im Betrieb des Pickups entsteht später aber Wechselstrom, da sich die Saite im Magnetfeld hin und her bewegt und nicht nur in eine Richtung.
Ok - der Einbau sollte eigentlich kein Problem sein. Ein Problemchen war es aber doch. Ich hatte schon öfter RGs auf der Werkbank. Aber bei keiner war die Bohrung für die Kabel in der Ausfräsung für die Höhenverstellung des Pickups. Vor allem mit den steifen Kabeln (vintage - gewachster Baumwollmantel, verzinnte und verlötete Litze) des mittleren Pickups scheuerte das. Neu gebohrt und es passte.
Die Potis. Ibanez hat linear für Volume und logarithmisch (Audio Pot) für Ton verbaut. Früher war es meist umgekehrt und heute nimmt man meist log. für beides. Warum? Das Ohr hört nicht linea, sondern logarithmisch. Das Volumepoti auf die Mittelstellung gedreht wird also nicht als halb so laut empfunden, sondern leiser.
Aber eine Frechheit ist der Preis. In der Packung sind Alpha Potis mit Messingachse. Stück 16,90. Ein "normales" Alpha Poti (Druckgusswelle) kostet 2,50 und mit Messingwelle ca. 5.-. Ganz schön dreist.
Das Zusammenlöten verlief Schriff für Schritt stur nach Schaltplan. Nur die Farben der Pickups waren gegenüber dem SchaltDie Masseverbindung der Federkralle war ein Schaltdraht. Der wurde durch ein Kabel ersetzt. Die Kralle bewegt sich. Ein Draht nicht. Und irgendwann ist er ab und es brummt.
Alles funktionierte. Ich löte jedes Massekabel einzeln statt sie zu verdrillen und mit einer Lötstelle zu löten. Warum? Wer schonmal ein Bauteil getauscht hat, weiss wie nervig es is die verdrillten Kabel auseinanderzubekommen.
Klopftest mit dem Schraubendreher am Amp - alles knackte. Fertig mit Löten.
Zusammenbau und Setup
Eigentlich auf gut deutsch gesagt "Hühnerkacke". Routine halt. Trem rein, Federn drauf waagrecht verkeilen, Saiten drauf, stimmen, Saiten dehnen, nachstimmen einstellen.
Stimmte auch im wesentlichen. Nur liess sich das Trem nicht verkeilen. Um Platz für den Block beim Hochziehen der Saiten zu schaffen hatte Ibanez im Body auf der Seite zur Federkralle hin nicht etwas den Bode schräg ausgearbeitet wie andere (da geht dann ja ein keilförmiges Klötzchen), sondern eine Stufe eingefräst. Da hielt nichts. Und unter den Feinstimmern war auch kein Platz. Die Lösung war schliesslich die Tremoloankerbolzen hoch zu drehen, einen Aluwinkel (Panzerband auf der Seite zum Body damit nichts kratzt) und die Feinstimmer zu legen und dann mit den Bolzen waagrecht zum Body auszurichten.
Das funktionierte. Aber die eine Feder scheuerte am Massekabel der Federkralle. Die Bohrung zum E-Fach sass einfach viel zu hoch. Normalerweise ist die direkt unten in der Ecke. Kabel abgelötet, eine Feder raus. und gebohrt.
Ups! Einmal durch 'nen Hohlraum. Sollte ich etwa...? Yep. Einmal durch die Ausfräsung für die Höhenverstellung des Bridgepickup. Da hätte es gescheuert. Also nochmal gebohrt. direkt auf Höhe des Volumepickups. Das funktionierte. Kabel wieder reingefummelt und festgelötet. Passte. Feder wieder rein und weiter.
Dann die Saiten drauf, stimmen usw.... Denkste. Obwohl die Schrauben der Federkralle ganz drin waren, begann sich das Tremolo bei Spannen der Saiten zu heben. Die neuen teflonbeschichtetenoriginal Ibanez Federn (27,90) waren zu schwach. Maximale Federlänge gemessen (9 cm bei max. Auslenkung des Tremolos), eine Feder ausgebaut, einen alten Sustainblock in den Schraubstock, Feder eingehängt, Kofferwaage dran und auf 9 cm gespannt. 7 kg Zugkraft. Das gleiche mit einer Gotoh Feder (3 Stck. 5,90) probiert. 10 kg Zugkraft. Anderen Federn aus der Sammlung probiert. 10 kg Zugkraft.
Ibanez Federn ausgebaut, eingepackt und Gotoh montiert. Mist.
Der Rest vom Setup lief dann normal und das Ding war fertig.