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BaldMan's Mojo

LAG HyVibe 30 (HV30DCE) - es schnarrt und scheppert

Uli schreib mich an. Der Halstab müsste eingestellt werden. Uli kam bei mir vorbei und ich schaute mir die Gitarre dann an. Die b-Saite würde am 1. Bund scheppern. "Sattel ist wohl hin" meinte ich und legte die Gitarre erstmal beiseite, da ich noch einen anderen Auftrag fertig machen musste. Das dauerte länger als geplant. Mein Hauptjob und die fällige Steuererklärung fraßen zuviel Zeit.

Als ich dann los legen wollte, fand ich meinen Zettel mit den Notizen nicht (mittlerweile habe ich ihn gefunden- er war von der Werkbank geweht und steckte zwischen Heizung und Wand). Also Uli nochmal kontaktiert und dann los gelegt.

Bestandsaufnahme

Es war gut, daß es etwas gedauert hatte. Ich hatte "Scheppert am 1. Bund" notiert. Und Uli hatte geschrieben "Scheppert beim Spielen am 1. Bund". Wenn's am 1. Bund scheppert, ist der Sattel zu niedrig. Wenn's beim Spielen an einem Bund scheppert, ist meist der nächste Bund zu hoch.

Holz arbeitet. Und schrumpft. Bundstäbe werden meist eingepresst und halten durch klemmen. Da kommt es vor, daß sich Hochstände bilden. Oder Bünde arbeiten sich mehr oder weniger gleichmäßig aus dem Griffbrett . Das kann man oft zurückschlagen. Federt der Bund wieder raus, muss man ihn einkleben.

Kontrolle mit dem Fretrocker ergab etliche Hochstände. Die heftigsten am 1. Bund. Zahlreiche Bünde zeigten einen Luftspalt unter dem Bund. Rückschlagen als Test funktioniert nur teilweise. Die Bünde kamen nicht wieder hoch , hatten aber noch einen (kleineren) Luftspalt (und einen Hochstand) und gingen auch nicht weiter rein. Das kann passieren, wenn der Bundschlitz genauso tief gefeilt wird, wie der Bundsteg (engl. Tang) und das Holz schrumpft (die 0,1 mm Fühlerlehre passte in der Mitte unter einige Bünde). 

Aber egal, solange der Bund fest sitzt und nicht federt. 

Fazit: Hochstände weg feilen, Bünde neu verrunden und polieren.

Und noch etwas fiel auf. Die Gitarre hatt für eine Westerngitarre eine ungewöhnlich flache Saitenlage.

 

Zum Einstimmen die Stegeinlage

Die hatte von den Saiten Kerben. Zwei, drei Mal leicht mit einer feilen Feile rüber und dann überpoliert. Das war's.
 

Die Bünde

Als erstes eine Pappe für den Schutz des Korpus geschnitten. Normalerweise klebt man Malerkreppband auf den Korpus  und da drauf Panzerband. Das mache ich nicht mehr, seitdem mit mal eine Rosette am Malerband kleben blieb. Das war keine eingefräste echte Rosette, sondern ein überlackierter Aufkleber. Und der klebte nicht mehr richtig. Sowas passiert auch gerne bei älteren Fendergitarren an der Griffbrettkante. Die Amis verwenden da ein Low Tack Tape. Malerband mit geringer Klebekraft. Gab es früher auch bei uns (das alte Tesa Krepp). Mit dem wurden z.B. technische Zeichnungen auf den Zeichenbrettern festgeklebt oder Kanten auf Rauhfasertapete. Das jetzige Kreppband, wie man es in jedem Baumarkt bekommt, klebt stärker, weil es eigentlich Lackierband ist. Tesa hat jetzt mit Tesa Sensitve wieder ein Low Tack Tape im Programm. Schweineteuer.
 
Also die Pappe mit Low Tack Tape (meins ist über Amazon aus England) am Korpus fixiert.
 
Danach mit dem Fretrocker alle Hochstände gesucht, markiert, beseitigt und die Bünde neu verrundet. Als nächstes kamen die Bundenden dran. LAG hatte zwar die Bünde gut verrundet, aber die scharfkantigen Ecken an den Bundenden nicht weggestoßen. Und die Bundenden musste sowieso neu verrundet werden. Nach der Feile sorgten Micromesh Pads bis 12000 runde hochglänzende Bundenden. 
 
Nach dem Bearbeiten der Bundenden wurden die Bünde erst mit 800er und dann mit 1000er Schleifpapier geschliffen. Und dann wurde das Griffbrett mit Waschbenzin (engl Naphta) gereinigt und neu geölt.
 
Warum nicht zuletzt oder zuerst? Feilstaub geht von einem trockenen Griffbrett gut ab. Bei einem frisch geölten bleibt er leicht hängen. Im letzten Schritt wird poliert Und die Polierpaste ist eigentlich keine Paste, sondern ein wachsgebundener Block. Und bleibt an einem frisch geölten Griffbrett nicht hängen. Als letzter Schritt kam dann wie gesagt die Politur mit dem Dremel.
 
 
Fertigstellung
Saiten drauf (, dehne mit dem String Stretcha (gibt es bei Guitar Slinger Products - das beste Tool zum gleichmäßgen Saiten dehnen). Danach sind die Saiten 1/2 (e-Saite) bis 1 1/2 (E-Saite) tiefer. Das geht mit den Fingern nicht (ich habs aus einem Video von EVHs Guitar Tec Tom Weber). 
 
Dann nochmal gestimmt und....Mist. E-Saite schepperte auf dem 2. Bund. Warum? Halskrümmung war sehr flach, aber noch ok. Aber die Saitenlage war unterirdisch flach. 0.040" (1 mm) am 12. Bund. Das passte zu den Schleifspuren an der Stegeinlage. Normal sind auf der E-Saite 1,5 - 2 mm. Stewmac empfiehlt 0.078" (2 mm).  Aber warum hatte es da vorher nicht gescheppert? Pures Glück. LAG zieht Saiten 12-52 (012/016/024/032/042/052) auf. Drauf war ein 11 - 50 Satz. Und einen 11-50 Satz Pyramid Saiten hatte ich aufgezogen. Aber der Teufel liegt im Detail.
 
Der Pyramid Satz hat .011, .015, .022, .030, .040, .0.50. 
 
Drauf waren (gemessen) .011,  .015, .024, .032, ..041, .050
 
Und die alten Saiten schienen etwas härter. Das hiess mehr Zug. Und was hält dagegen? Der Halsstab. Also etwas gelockert und das Scheppern verschwand.  Uff! Alternativ hätte ich noch eine höhere Stegeinlage anfertigen dürfen. Und weil eine Stegeinlage aus Knochen zusammen mit einem schwarzen Kunststoffsattel einfach beschissen aussieht, hätte der auch noch neu gemusst.
 
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