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BaldMan's Mojo

Stoll Striker - HSS Stratocaster - aus einem Gigbag mit Teilen wird eine Gitarre

"Kannst Du die zusammenbauen?". Das war Tom's Auftrag.

Bestandsaufnahme

Ein frisch lackierter Body, ein Hals mit Spielspuren auf den Bünden, eine neues Pickguard, ein altes Pickguard mit der Elektrik, ein Floyd Rose und jede Menge Einzelteile.

Das alte Pickguard war ziemlich gruselig übersprüht, ein Toggle Switch zum Coil Split des Humbuckers und eine grausige Verkabelung.

Das neue Pickguard passte nicht. Das war für ein normales Tremolo. Bei einem Floyd Rose ist der Ausschnitt für das Tremolo größer. Also eine neues bestellt. Obwohl Strat mit HSS und Floyd gar nicht so selten ist, ist e gar nicht so einfach ein passendes Pickguard zu bekommen. Thomann, Musicstore, Zoundhouse, Rockinger etc. haben alle nichts. Musiclily (Amazon, Ebay und eigener Shop) hat sowas im Programm.

Die Elektrik war grauenhaft. Keine echte Abschirmung, furchtbar verkabelt, ein Toggleswitch für Coilsplit (ungeeignet - für einen Split braucht einen On-Off Schalterund für seriell, parallel, split einen On-On-On Schalter), ein Poti elektrisch hin und beide Potis mechanisch. Potiknöpfe mit Schraube gehören eigentlich auf glatte Potiachsen. Wenn man die auf geschlitzten Achsen verbaut, muss die Schraube auf den Schlitz gehen ode man muss den Schlitz füllen. Andernfalls drückt man die Achse zusammen und irgendwann bricht sie ab. 

Body und Elektrik

Der Body war wie gesagt neu lackiert und brauchte nur eine Abschirmung. Gleiches galt für die normal lausige Abschirmung des Pickguards. Ganz Tradiditon. Auch hier wurde abgeschirmt. Dann war der Umbau der Elektrik dran. Es stellte sich heraus, daß außer dem ungeeigneten Schalter beide Potis hin waren und auch der Bladeswitch von Göldo im Eimer waren. Alle Komponenten wurden ersetzt und für den Humbucker ein "großer" (12 mm Gewinde) On-On-On-Schalter eingebaut, mit dem eine Seriell-Parallel-Split Schaltung möglich.
 
Diesen Schalter hatte ich mal für Ibanez SZ520QM als Toggle Switch in China bestellt (Ibanez wollte 54.- und Warwick 26.- und aus China 6,30. Da hatte ich gleich mehr bestellt. In Deutschland ist der nirgendwo erhältlich). Schaltung zusammengelötet und getestet. Funktionierte.
 
Als Buchse war hirnrissigerweise eine Stereobuchse verbaut. Die war völlig sinnfrei (keine aktiven Pickups), korrodiert und das Gewinde beschädigt. Die (ziemlich dicke) Buchsenplatte war verbogen und passte nicht mehr richtig. Anscheinend war die Gitarre mal mit eingestecktem Stecker runtergefallen und der hatte dann die Buchse beschädigt und die Buchsenplatte verbogen. Wunderwelt der Hebelgesetze. Die Platte wurde gerichtet und eine neue Buchse verbaut.
 
Und dann sollte das ganze in den Body. Passte aber nicht richtig. Ursache? Die Potibohrungen saßen beim neuen Pickguard leicht anders. Da musste mit dem Dremel Platz geschaffen werden. Gleiches galt für den Platz der Pickups. Die Pickups drückten auf eine Seite gegen den Body. Am Body kratzende Pickups lassen sich nicht gut verstellen. Und dann ging eine der Bohrungen genau auf die Kante der Fräsung. Da wurde ein Klözchen aufgklebt, damit eine Schraube Halt finden konnte.
 
Am Pickguard musste im Bereich der Tremoloaussparung was weg. Das Originale war da etwas breiter. Aber das is ja auch eine Stoll in Stratform aus den 90ern und keine Fender oder Fenderkopie. Da sind Maße manchmal anders. Auch das ursprüngliche Pickguard schien schon von den Bohrungen her kein Teil von der Stange zu sein.
 
Und irgedwie passte was nicht ganz. Die Ursache war der 5-Wege-Schalter. An der tiefsten Stelle drückte die Lötöse gegen die Kante der Ausfräsung für den Schalter. Also Schalter nochmal losgelötet, um 180 Grad gedreht, und wieder angelötet. Dann passte es.

Da ein Großteil der Bohrungen im Body nicht bzw. nicht ganz deckungsgleich mit den Bohrungen im Pickguard waren, wurden kurzerhand alle verdübelt. Das Pickguard wurde noch nicht verschraubt, um es später besser mit de Saiten ausrichten zu können.
 

Der Hals

Absolut unspektakulär. Am Halsfuß war vom Body noch alte Farbe. Die wurde entfernt. Das Griffbrett wurd mit der Rasierklinge abgezogen, die Bünde abrichtet, verrundet und neu poliert. Und das Griffbrett neu geölt.
 

Zusammenbau, Restarbeiten und Setup

Hals dran schrauben, Trem rein usw. und fertig. Dachte ich. Ich hatte allerdings die Rechnung ohne den Lackierer gemacht.In die Öffnungen für Rosetten und Halsplatte war Farbe gelaufen. Und das nicht zu knapp. Das musste was weg. Und ich musste vorsichtig sein, da der Lack zwar gut aussah, aber nicht gut hielt. Vor allem im Bereich der Kanten. Schon vor Beginn der Arbeiten hatten waren mir 2 kleine Stellen an der Tremolofräsung und eine an der Bohrung für eine Hlasschraubenrosette aufgefallen.
 
Etwas Farbe in den Bohrungen für die Rosetten weggekratzt und sie gingen  mit Druck rein. Anders sah dass bei der Platte für die beiden letzten Schrauben aus. Kratzen alleine reichte nicht. Der Unterschied zwischen Platte und Öffnung waren am Anfang 0,2 mm. Da musste ich dann den Rest von den Seiten der Platte wegschleifen. Wenn man einen Body neu lackiert, muss man vorher schauen, ob genug Platz für die Lackierung vorhanden ist. Ggf. muss man vorher nacharbeiten, oder dünner lackieren. 
 
Am Ende passte es ohne allzu große Beschädigungen.
 
Hals eingeschraubt und ....Mist. Sah nach Luftspalt aus. Prüfen mit der Fühlerlehre. War einer. Also noch mal raus. Das ist eine Stoll. Kein Billigchinateil. Also ging ich davon aus, daß die Halstasche passte. Aber wieder die Rechnung ohne den Lackierer gemacht. Eigentlich soll die Halstasche nicht lackiert werden. Hier war sie es. Entfernen konnte ich den Lack nicht. Das hätte Abbplatzer im sichtbaren Bereich gegeben. Und die Halstasche war plan. Nur sammelt sich zu dick aufgetragener Lack gerne in Ecken. Und das war hier so. Mit der Stechbeitel entfernt und dann passte der Hals. Ohne Luftspalt. Langsam sah die Teilesammlung wieder aus wie eine Gitarre.
 
Vor dem weiteren Zusammenbau kam erstmal das Schaller Tremolo dran. Das war alt und ich hatte einen Verdacht. Der bestätigte sich. Die Saitenklemmstücke waren hin. Ich hatte aber bei der letzten Bestellung bei Schaller welche als Reserve bestellt. Die Dinger wurden getauscht. Der Rest schien ok.
 
Dan kam wieder der Lackierer. Der hatte wirklich nichts abgeklebt oder gegen anderweitig gegen Lack geschützt. Die Gewinde der Höhenverstellung waren zulackiert. Und hier waren es Bolzen mit Feingewinde (M7x0,5). Und einen Gewindebohrer zum frei schneiden hatte ich (noch) nicht. Wattestäbchen mit Aceton lösten den Lack auf und die Bolzen gingen rein. Etwas Zewa in der Bohrung hätte das vermieden.
 
Dann die Saiten drauf. Wenn die Halsstabmutter am Fuß des Halses sitzt und nicht zugänglich ist, muss zum Einstellen der Halskrümmumg jedes Mal der Hals runter. Deshalb ziehe ich vor dem Einstellen immer einen Satz preiswerter Saiten drauf. Gerade bei 009er. Schon ein paar Mal gehabt. Saiten lockern, Saiten stimmen... Und irgendwann macht die e-Saite knack. Blöd bei einem Satz für 15.- Euro.

Tremolo festgelegt und gestimmt. Die Halskrümmung war ok. Also die richtigen Saiten drauf, gestimmt, gedehnt und wieder gestimmt. Saitenlage eingestellt. Und nachgestimmt. Und dann die Oktavreinheit eingestellt. Um die Saitenreiter zu halten habe ich mittlerweile 3 verschiedene Werkzeuge.
 
Und als das alles fertig war, die Klötze raus um mit den Schrauben an der Fehlerkralle die Stimmung wieder herzustellen. Und dann flog die erste Schraube raus. Schnell die Klötze wieder rein. Und dann kam auch schon die 2. Schraube. Jetzt wusste ich, warum da ziemlich lange Spax drin waren. Lackierung und Füllspachtel hatten nur verhindert, das mir auffiel, daß die Bohrungen ausgelutscht waren und "normale" Krallenschrauben nicht mehr halten konnten. Wahrscheinlich liefert Schaller deshalb längere Schrauben als normal. In der Wühlkiste fanden sich dann noch 2 ausreichend lange Schrauben und das Ding konnte fertig gemacht werden.
 
Ausprobiert, alles funktionierte, fertig.
 

 

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