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BaldMan's Mojo

Ein Precision Bass mit mehr als einem Problem

Tom kam zu mir wg. des Basses und einer weiteren Gitarre.

Zitat aus Whatsapp: "Bei dem Bass, hat der Erbauer ziemlich wild hantiert und 2 Schrauben der Halsbefestigjng abgerissen. Ich würde sagen, dass die alle 4 getauscht gehören und der Tonabnehmer soll gegen den Kluson getauscht werden.

Die Bundstäbe des Bass stehen teilweise über das Griffbrett heraus und du hast sicher bemerkt, dass der Bastler teilweise wohl die erstbesten Schrauben zur Montage der Bridge und des Schlagbretts genommen hat."

Nach flüchtiger Besichtigung konnte ich dem nur zustimmen Aber erstmal an den Rand gepackt, weil ich noch anderes zu tun hatte.

Bestandsaufnahme

Toller Hals, toller Body. Das liess sich nicht anders sagen.  Der Zusammenbau erinnerte mich aber eher na eine lange Kinonacht der heftigsten Horrorfilme.
  • Der Saitenhalter war zu niedrig und locker. Die Saiten liefen vom Sattel runter undstiegen dann wieder zur Mechanik auf.
  • Der Sattel war Knochen, aber zu hoch, mies gearbeitet und schlecht eingeklebt. Aber das konnte nachgearbeitet werden.
  • 2 Halsschrauben waren abgerissen und eine nicht richtig drin. Von Vorbohren hatte der Erbauer des Basses wohl noch nichts gehört. Zwischen Hals und Body war ein Luftspalt.
  • Bundenden scharfkantig. Auch hier hatte der Erbauer wohl nicht mitbekommen, dass man Bünde auch bei einem neuen Hals bearbeiten muss.
  • Long Shaft Potis gehören in Gitarren wie die LesPaul o.ä., aber nicht in Pickguards. Und wenn man das macht, stellt man die Höhe mit einer 2. Mutter korrekt ein. Die erinnerten an Leuchttürme. Und die Potiknöpfe gehörten auch eher an Gibson, als an Fender Style Instrumente.
  • Die Brücke war mit Blechschrauben befestigt.
  • Am Griffbrettende zum Body war rumgepfuscht und etwas abgesplittert.
  • Elektrik: Irgendwie hatte der Erbauer wohl mal was von Abschirmung gehört. Etwas Abschirmlack im E-Fach, ein unnötiges Massekabel mit Klebeband an der Abschirmung des Pickguards befestigt und das war's. Statt löten wurde Anbraten der Kabel bevorzugt. 

Jede Menge dübeln und neu bohren. Alles kein Beinbruch bis auf die abgerissenen Schrauben.

Fender (und andere) haben die Angewohnheit einmal zu bohren und dann die Schraube einzuschrauben. Spart einen Arbeitsschritt. Nämlich das Aufbohren der Bohrungen im Korpus. Die Schraube schneidet dann in Hals und Korpus. Es ist unmöglich, dass die Schraube den Hals ran zieht. Also mus man das vorher fest verpressen (ist hier auch nicht erfolgt -> Luftspalt).

Die meisten bohren im Korpus als Durchgangsloch. Bischen größer kann man den Hals auch noch prima ausrichten (Saitenabstand Griffbrettkante). Hier war jetzt die blöde Situation dass die abgerissenen Schrauben Korpus und Hals noch zusammen hielten. Das war ein echtes Problem

Die Trennung von Hals und Body

Erstmal länger drücker nachgedacht. Schliesslich sollte nicht geschrottet werden. Dann habe ich das aber so gemacht wie schon öfter bei anderen Schrauben. Da war nur keine so tief in der Bohrung abgerissen. 
 
Die Schrauben hatten einen Ducrchmesser von 4 mm. 6 mm bis zum Schraubenrest gebohrt und dann viele kleine Löchlein mit dem 1 mm Bohrer (4 mm + 2 x 1mm = 6mm - deshalb der 6er Bohrer) um die Schraubenreste gebohrt. Der Body war hier 24 mm dick. Also den Bohrer in der biegsamen Welle vom Dremel genauso eingespannt. Wenn das Bohrfutter bei der Aktion den Body berührt, ist das nicht wild, da das nachher von der Halsplatte abgedeckt wird.
 
Dann die Bohrungen mit dem 1 mm Bohrer zu einem Schlitz (Bohrer schneiden auch seitwärts) verbunden und 40 Minuten später war der der Hals raus. Ohne Beschädigungen.
 

Hals

Als erstes wurden die Bohrungen der Befestigungsschrauben verdübelt. Dazu sollte man keine Dübel aus dem Baumarkt nehmen. Eine Schraube muss immer quer zur Maserung sitzen. Sonst kann man sie leicht rausziehen (kann jeder mal mit einem alten Brett probieren. Schraube ins Hirnholz gedreht lässt sich leicht ziehen. Also passende Ahorndübel geschnitten und eingeleimt.

Anschliessend die Bundenden entgratet, verrundet, poliert, das Griffbrett geölt und dann noch die bünde mit dem Dremel poliert.
 
Der Sattel musste leider doch neu. Die Abstände der Saiten stimmten nicht.
 
Beim Sattel für einen Bass muss man etwas anders vorgehen, als bei einer Gitarre. Bei einer Gitarre kann man einfach die Sattel-/Halsbreite durch 12 teilen. Meist hat man dann 3 - 3,5 Abstand zur Saitenmitte. 
 
Bei einem Bass sieht das Sch...e aus (und spielt sich auch so), da die tiefe Saite deutlich dicker ist, als bei der Gitarre. Eine .105er ist (oft) mehr als doppelt so dick, wie eine tiefe Gitarrenseite. 1,2 -1,3 mm gegenüber 2,7 mm (.105"). 
 
Bei einem typischen Saitensatz 045-065-085-105 und angenommen 3,5 mm Abstand Griffbrettkante zu Saitenmitte ergibt sich für die hohe Saite ein Randabstand von 2,9 mm und für die tiefe Saite ein Randabstand von 2,2 mm. Und einen Unterschied von fast einem Millimeter sieht und merkt man. Bei einem 5 Saiter ist das dann so ausgeprägt, dass auch ein blinder Maulwurf sieht.
 
Zuerst mal wurde ein passendes Stück ausgekochter Rinderknochen zugesägt und als Rohling zugeschliffen. Nach ein bische Feinarbeit auf dem Schleifbrett passte der Rohling. Dann wurde er auf Länge gebracht und die vorläufige Form (ca. Oberkante der Saiten) angeschliffen. Die äußeren Sattelkerben wurden markiert (hoe e-Saite 3,5 mm, tiefe E-Saite 4,3 mm von der Griffbrettkante, die fehlenden Saiten wurden angezeichnet (da gibt es Stewmac ein nettes Werkzeug), gekerbt und die Schlitze gefeilt. Dann auf Form gebracht, poliert und eingebaut. Das war es erstmal mit dem Hals.
 

Body

Neben den Bohrungen für das Pickguard mussten auch alle Bohrungen der Halsbefestigung verdübelt werden. Da die Dübel später nicht zu sehen sind und auch keine Zugbelastung aushalten müssen, konnte hier handelsüblicher Buchenrundstab verwendet werden.
 
Die ursprünglich verwendete Halsplatte war kleiner als normal üblich. Sowas habe ich bisher nur alten asiatischen Billiggitarren gesehen (Hertiecaster) oder bei deutschen Gitarren (aber die sind die Schrauben meist größer). Keine Ahnung, woher die Platte war.
 
Also alle 4 Bohrungen für den Hals neu bohren. Die Halsplatte ist dafür eine echt miese Vorlage, da die Bohrungen für exaktes Arbeiten. Ich habe mir dazu ver einiger Zeit eine kleine Vorrichtung gebaut. Damit geht das ziemlich schnell.
 
Mit einem 3 mm Holzbohrer wurden dann die Bohrungen für die Halsbefestigung gebohrt. Warum 3 mm? Die Bohrungen später im Hals werden normalerweise zwischen 3 mm und 3,5 mm gebohrt. Zum Markieren wird ein Holzbohrer durch den Body gesteckt und und dann mit dem Hammer drauf gehauen. Bohrt man im Body gleich auf die finale Größe ist die Körnung im Hals größer, da ein 4 mm oder 5 mm Bohrer eine größere Spitze als ein 3 mm Bohrer hat.
 
Als nächste wurde erstmal  der Hals in den Body gesetzt umd die Passung zu prüfen. Die passte nicht. Die Seiten der Halstasche ware nicht ganz winklig und deshalb ging der Hals nicht richtig rein. Mit Gewalt gibt das nur Risse im Body. Ein kleiner war schon da - hätte der "Erbauer" des Basses den Hals richtig fest bekommen, wäre das ein großer Riss. Mit einem passenden Schleifklotz die Seiten der Halstasche bearbeitet bis der Hals on zu klemmen rein ging.
 
Als nächstes die Brücke mit den alten Schrauben und alten äußeren Saiten drauf, den Hals rein und die Saiten Saiten gerade so gespannt, dass sie gerade waren. Passte der Seitenabstand?
 
Yep - er passte. Alles wieder auseinander, den Hals in die Halstasche, Holzbohrer (der hat 'ne Spitze) durch die Bohrungen in der Halstasche, mit dem Hammer drauf gehauen und die Bohrungen für den hals waren markiert. Und dann die Bohrungen im Hals, 5 mm im Body für die Halstasche (Schrauben von Warwick - die sind mit 4,5 mm etwas dicker als normal) und die Bohrungen für die Brücke. Schrauben für die Brücke haben meist 33 mm Länge. Etwas "länger", als die Blechschrauben, die drin waren.
 
Damit fehlte dann nur noch die Elektrik, Pickguard und Setup.
 

Elektrik

Erstmal wurde noch im E-Fach die ausgerissene Bohrung für das Pickguard fertig repariert. Dübel war ja schon . Mit de Dremel und einem kleinen Walzenschleifer wurde die Stelle geglättet und die Holzsplitter mit Sekundenkleber stabilisiert. 
 
Und dann wurde das Pickguard erstmal abgerüstet. Dass der verbaute Kondensator den richtigen Wert hatte war entweder ein Wunder oder Zufall. Bei den Potis jedenfalls stimmte nichts. Falsche Bauform (Long Shaft), falsch montiert,  falscher Durchmesser Schaft (7 mm in 3/8" (9,5 mm) Bohrungen im Pickguard), falscher Widerstand (550 kOhm statt 250) und linear statt logarithmisch. Im Moment fellt mir nicht mehr ein, was man da noch versemmeln kann.
 
Das Pickguard drauf und gebohrt. Perfekt die Mitte der Bohrungen trifft man mit einem selbstzentrierenden Scharnierbohrer. Die Dinger sind (außer in den meisten Baumärkten) überall zu bekommen.
 
Neue (korrekte) Potis und die Buchse wieder am Pickguard und ... es passte nicht. An einer Stelle musste etwas Holz weg. Wieder trat der Dremel in Aktion. Dann passte es..
 
Tja - und dann musste die Brücke nochmal runter. Da fehlte was wesentliches. Eine Bohrung für das Kabel der Masseverbindung. Da habe ich allerdings 2 Versuche gebraucht. Der erste war zu steil. Da wäre ich auf der anderen Seite raus gekommen. Und dann wurde erstmal eine ordentliche Abschirmung aufgetragen.
 
Für den Kontakt zur Brücke wurde das Massekabel an ein Stück Federbronze angelötet. Die Lötstelle verschwindet dabei in der Bohrung. Finde ich besser, als einfach abisoliertes Kabel unter der Brücke einzuklemmen. Massekabel rein, Brücke wieder montieren, Pickups einbauen, das ganze verlöten und festschrauben. Klopftest am Amp (mit dem Schraubenzieher auf die Pickups klopfen). Funktionierte. Fast fertig mit dem Bass.
 

Restarbeiten und Setup

Saiten drauf, stimmen, dehnen und wieder stimmen. Damit fängt's an.
 
Zuerst die Halskrümmung. Bei etas über .016" war Ende. Die Mutter ging nicht weiter. Und nach fest kommt ab. Aber eventuell behebt sich das noch. In meiner Werkstatt ist es momentan extrem trocken. Viel Holz verbaut. Ich hatte es schon, dass ein perfekt eingestellter Basshals nach ein paar Tagen in "normaler" Raumluft soviel Feuchtigkeit aufgenommen hatte, daß er tierisch schepperte. Das Holz deht sich aus - der Halsstab nicht.
 
Dann die Saitenhöhe. Die liess sich nicht einstellen. Auch wenn der Saitenreiter ganz unten war.
 
Der Grund? Der Halswinkel stimmte nicht. Der Hals stieg an. Entweder stimmte der Halsfuß oder die Halstasche nicht. Also war eine Scheibe (engl. Shim) für die Halstasche anzufertigen.
 
Okay - 3 Versuche gebraucht, bis die richtige Dicke hatte. Anfertigen, einbauen, stimmen, fluchen und von vorn. Normalerweise mache ich die Dinger vollflächig als Keil. Aber bei der Länge der Halstasche das zu schleifen war unmöglich. Also konventionell als Streifen.
 
Und dann kam noch ein Dübel (war ja in Übung). Der Saitenniederhalter saß nicht mittig. Die G-Saite hätte rausspringen können. Also verdübeln und neu bohren.
 
Der Rest war dann easy. Saitenhöhe, Pickuphöhe und Oktavreinheit eingestellt und das Ding war fertig.
 
 

 

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