Custom Strat - ein Kunstwerk (mit ein paar Mängeln)
Ausgangsprodukt für dieses Einzelstück war ein Custom Body von Warmoth (Logo in der Halstasche).
Bestandsaufnahme
Die Mechaniken waren locker, die Gurtpins fehlten und die Bünde hatten ein paar Macken, waren angelaufen und scharfkantig. Das eigentliche Problem waren aber die Bolzen des Tremolos.
Die neigten sich signifikant nach vorne. Um die Einpressmuttern herum war zuwenig Material. Dadurch waren sie gekippt. Das hatte jemand schon mal versucht durch ein eingeleimtes Stück Holz zu stabilisieren. Das war aber nich von Erfolg gekrönt, zumal auf der Unterseite ein deutlicher Spalt zwischen Body. Irgendwann wären sie komplett rausgeflogen.
Der Body
Die Gurtpins wurden schnell durch welche aus meinem Fundus ergänzt.
Die Bolzen wurden zuerstmal in die richtige Lage gedrückt. Dann mussten sie raus. Und das war ein Problem. Normalerweise drehe ich 'ne Schraube drauf, setze den Auszieher an und das war es. Ging hier nicht. Die Bolzen hatten zölliges Feingewinde. Und sowas hatte ich nicht. Aber die Dinger saßen ja nicht mehr fest. Mehrere Unterlagen und vorsichtiges Hantieren mit dem Saitenschneider löste das Problem. Hätte das nicht funktioniert, hätte ich die Muttern von der Unterseite her herausgedrückt, da die Bohrungen durchgebohrt waren. Nach dem Ziehen der Muttern stellte heraus, daß eine auch noch falsch rum drin sass. Die abgeschrägt Seite gehört nach unten.
Und dann stellte sich das Problem "was tun"? Normalerweise bohre ich sowas größer aus, verdübel die Bohrungen und bohre neu. Dafür war hier aber zum Pickup zuwenig Platz und der eingeleimten Verstärkung traute ich nicht wirklich, da sie mies eingepasst war. Auf der Unterseite war zwischen Body und Verstärkung ein Spalt.
Zum Einsatz kam dann Gitarrenbauers Allzweckwaffe. Sekundenkleber. Die Bohrungen innen mit mittelviskosem Sekundenkleber ausgestrichen, die Bolzen wieder rein und Beschleuniger drauf. Dann auf der Unterseite den Spalt verfüllt. Immer in dünnen Schichten. Sekundenkleber, sacken lassen, Beschleuniger, Sekundenkleber, sacken, usw.. Bis der Spalt zu war.
Als nächstes mit der gleichen Methode und dünnflüssigem Sekundenkleber die Spalten um die Einschlagmuttern verfüllt und nachher mit einem scharfen Stechbeitel den überflüssien Kleber entfernt. Nachdem ich zwischenzeitlich den Hals gemacht habe getestet. Bombenfest. Aber trotzdem lässt man sowas dann 24 Stunden liegen, damit der Kleber komplett durchhärten kann.
Heftigst gegen die Bolzen gedrückt. Schien zu halten. Und dann zusammengebaut. Hielt alles. Wie lange ist die Frage. Das Problem ist konstruktiv. Der Erbauer hätte nie eine Vertiefung für das Tremolo einfräsen dürfen. Wahrscheinlich hat er sowas mal bei einem Floyd Rose gesehen. Nur ist ein Floyd Rose höher, als das verbaute Wilkinson. Dadurch müssen die Bolzen weiter rausgedreht werden als üblich und die Hebelwirkung auf die Einpressmuttern steigt an. Hinzu kommt, daß für die Muttern durchgebohrt wurde. Das am Boden der Mutter fehlende Holz schwächt die Verbindung.
Der Hals
Erstmal die Mechaniken festgezogen. Da waren nicht nur die Muttern locker, sonder auch die kleinen Schrauben mussten nachgezogen werden
Dann die Bünde. Unspektakulär. Die Schadstellen waren schnell weggefeilt, dann die Bünde neu verrundet (auch das ging fix), die Bundenden ordentlich entgratet und dann alles geschliffen und poliert. Das Griffbrett gerenigt und neu geölt und das war's.
Setup und.....Mist. Die Elektrik.
Saiten drauf, auf Spannung gebracht und gedeht. Und dann erstmal mit dem Handy grob gestimmt, die Gitarre eingestellt und dann den Tuner in die Buchse. War irgendwie komisch. Ging schwer rein und wackelte dann. Also ausgebaut.
Der nächste Mist. Eine verbogene Switchcraft Buchse. Die Spitze des Steckers berührte den Kontakt des Steckers von der Innenseite, statt von der Außenseite. Außerdem saß sie schief im Halteblech, weil ein ungeeigneter Sicherungsring vewendet wurd. Kontakt hingebogen, getestet, eingebaut und...der Stecker ging nicht rein. Die Bohrung war schlicht und einfach zu klein umd der langen Kontaktzung Platz zum Federn zu geben. Andere Buchse eingebaut und das ging.
Endgültig gestimmt und ...Doppelmist. Bei der Bestandsaufnahme vergessen die Potis zu prüfen. E-Fach auf, deoxit auf die Potis und kein Erfolg. Die mussten neu. War aber dann gut so. Der Kondensator (wohl aus irgendeiner Elektronikwühlkiste) hatte zwar den richtigen Wert, aber zu kurze Anschlüsse. Nur an die Potis angelötet (satt durch die Lötösen) und eine Lötstelle hatte sich gelöst. Kontakt nur noch durch Berührung. Potis und Kondensator getauscht und es funktionierte alles.
Instrument gestimmt, ab an den Amt und britzeln der Potis. E-Fach auf, deoxit in die Potis. Aber das brachte nicht den gewünschten Erfolg. Lötkolben eingeschaltet und Kondensator und Potis erneuert.
Alles funktionierte - fertig.
Fazit
Gute Basis, hoch wertige Teile. Aber so ähnlich wie wenn ich beim die selben Zutaten wie Schubeck oder Lafer besorge und glaube, daß es dann genauso schmeckt.
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