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BaldMan's Mojo

Etwas Knochen für die Furch

Die Furch brauchte Sattel, Stegeinlage und noch etwas mehr.

Bestandsaufnahme

Der Sattel war aus Knochen, aber etwas verschlissen. Die Stegeinlage war aus Tusk und hatte Kerben. Ich mag Tusk nicht. Das Zeug verfärbt sich in Richtung helles braun oder beige unter Lichteinfall. Und es sst (auch wenn die Werbung immer was anderes sagt) nicht so beständig wie Knochen.

Dann fiel noch auf, dass die Brücke anfing sich abzulösen. Als die Saiten runter waren kamen noch einige Flachstellen auf den Bünden zum Vorschein.

Die Brücke

Das testen mit der 0,5 mm Fühlerlehre zeigte, dass sich die Brücke noch nicht weit gelöst hatte. Nicht über die ganze Breite und auch nicht sehr tief. Ca. 2/3 von Hinterkante Brücke zu den Bohrungen der Pins.

Man muss in so einem Fall nicht immer die ganze Brücke lösen. Oft geht Nachleimer. Wenn das nicht hält, kann man immer noch die ganze Brücke lösen.

Zum Nachleimen muss man aber wg. Unverträglichkeiten wissen, was für Leim genommen wurde. Hautleim, Titebond, Fischleim etc.. Eine Mail an Furch brachte die Erkenntnis. Titebond. Hautleim (Hide Glue) geht am einfachsten, wie John Hall von Blues Creek Guitars, Pennsylvania, in diesem Video zeigt.

Also erstmal geschau, ob mein Werkzeug, das ich mal gebaut hatte, passte.  Yep - es ging. Werkzeug montiert, angezogen und geschaut, ober der Schlitz zu ging. Das tat er. Und dann das Werkzeug wieder abgebaut.

Mit der Leimspritze Leim vor den Ritz, mit der 0,5 mm Fühlerlehre den Leim in den Spalt geschoben und dann das Presswerkzeug angezogen bis der Schlitz gut verpresst war. Sauber gemacht und 24 Stunden stehen lassen (ok - das Werkzeug konnte ich morgens ausbauen).  Das sah nicht schlecht aus.

Die Bünde

Zuerstmal - die Furch ist eine der wenigen Gitarren, die ich bisher auf der Werkbank hatte, bei der die Bundenden wirklich perfekt entgratet waren.
 
Das klassische Abrichten der Bünde bei dem man mit einer Feile, einem Abziehstein oder einem Schleifklotz mit Schleifpapier über alle Bünde geht, mache ich meist nur noch bei kräftig verschlissenen Bünden.
 
Die meisten Macken sind so flach, dass sie zwar den Ton beeinflussen, aber unter 1/10 mm tief sind. Feilt man diese Bünde  etwas nach, verrundet sie dann wieder und prüft mit dem Fret Rocker kippelt der in der Regel nicht. 
 
Bei Hochständen ist das klassische Abrichten sogar kontraproduktiv. Man schleift etliche Bünde runter die ok sind um ein paar Hochstände zu beseitigen.
 
Zuerst mal mit dem Fret Rocker geprüft. Der kippelte bei ein paar Bünden. Hochstände. Aber das ist normal. Holz arbeitet. Anschliessend die Schadstellen, geprüft, die Hochstände beseitigt, die Bundenden geschliffen und poliert und als letztes die Bünde erst mit 800er und dann mit 100er geschliffen und poliert. Danach noch das Griffbrett gereinigt (Schleifstaub, Polierwachs) und neu geölt und das war's mit den Bünden.
 

Der Sattel (engl. Nut)

Analog zu den Bundenden hat die Furch wirklich eine perfekt gearbeitete Sattelnut bei der der Sattel ohne Kleber hielt.
 
Der alte Sattel war aus gebleichtem Knochen. Ich verwende grundsätzlich nur ungebleichten Knochen (siehe auch Sattel & Steg).
 
Ein Stück Knochen wurde zunächst zurechtgesägt und dann 2 Seiten plan und rechtwinklig zueinander geschliffen. Als nächstes ging das Ding durch den Dickenschleifer und wurde auf etwas Übermaß gegenüber der Sattelnut geschliffen.
 
Auf dem Schleifbrett erhielt der Sattel dann seine endgültige Dicke. Als nächsten wurden die Enden eingepasst. Auch hier erst die Maschine und dann mit der Hand die Feinarbeit. Dann erhielt der Sattel seine vorläufige Oberkante (ca. Oberkante Saiten, eher etwas mehr stehen lassen).
 
Als nächstes wurden die äüußeren Saiten angezeichnet und mit einem Skalpell angeritzt. Danach die inneren Saiten angezeichnet und angeritzt. Ich benutze dazu das String Spacing Rule von Stewmac. Das ist nicht linear geteilt und berücksichtigt die unterschiedlichen Saitenstärken. Das Anritzen dient der Führung der Sattelfeile
 
Und dann wurde gefeilt. Ich feile gegen Fühlerlehren (sogenannte Kolbenspiellehren). Der Trick ist ziemlich alt. Leichter wird das wenn man die Lehren nicht  mit der Hand halten muss. Die Lösung Stewmac Safe Slot Nut Guard. Allerdings nehme ich wie gesagt Kolbenspiellehren aus dem Kfz.-Bereich. Die sind günstiger als Stewmac.
 
Nach dem Feilen bekam der Sattel an der Tellerschleifmaschine seine endgültige Höhe, wurde in Form gefeilt, geschmirgelt, poliert und eingebaut.
 

Die Stegeinlage (engl. Saddle)

Im Prinzip läuft das ähnlich. Knochen sägen, eine Seite plan schleifen, ab durch den Dickenschleifer, dann einpassen und Oberkante schleifen. Und dann war erstmal eine Pause angesagt. Da hatte der Knochen noch einen Fetteinschluss. Und der musste weg. Die Stegeinlage kam dann erstmal über Nacht in eine Acetonbad (wenn das nicht hilft hilft nur das ganze nochmal von vorn).
 
Es war "Das ganze nochmal von vorn". Nachdem der Rohling passte wurden die Kompensationen angefeilt. Meist ist nur die b-Saite kompensiert. Das Ding hatte 5 Kompensationen. Ziemliche Fummelei. Dann poliert und das war's. Passte.
 

Und fertig

Na ja nicht ganz. Beim Runternehmen der Saiten hatte ich schon gemerkt, dap die Bridge Pins locker drin saßen. Die klemmten nicht. Macht nichts dachte ich. Rein sollten Harley Benton aus Knochen und die sind etwas dicker. Aber auch die fielen wie die Originalen einfach rein. Also erstmal recherchiert. Ich wusste, dass es unteschiedliche Winkel und "oversized" Bridge Pins gibt.
 
Bei uns sind meist keine Größenangaben bei den Pins. Die meisten (US Norm 1.3T)  sind ca. .203" (5,16 mm) an der dicksten Stelle bei einem Winkel von 3 Grad. Martin hat im Laufe der Zeit 4 unterschiedliche Typen verbaut, Gibson nimmt seit 2009 1T (.203" - 5,33 mm - 3 Grad) vorher 2A (.220" - 5,6 mm - 3 Grad), 1.3T für Epiphone, Lakewood 1T usw.. Also nix is fix und Pin ist nicht gleich Pin. Meist klemmt es doch irgendwo. Vielleicht nich über die ganze Länge der Bohrung, aber es klemmt.
 
Furch nimmt 1T und die Harley Benton sind auch 1T. Also hätte passen müssen. Die Bohrungen waren zu groß ausgerieben. Ausgelatscht waren sie nicht. Das sieht man. Was also tun?
 
Einfacher Trick. Kleiner machen. Dazu greift man zu Gitarrenbauers Allzweckwaffe. Sekundenkleber. Dazu kommt eine dünne Spitze (z.B. bei Amazon - hab ich aus einem Video von Lutz Heidlindemann - Guitar Doc Berlin) auf den Sekundenkleber. Damit kann man fein dosieren und man hat auch keine verklebten Flaschen mehr. Einfch beim nächsten mal die Spitze abschneiden.
 
In die Bohrungen für die Pins kommt nun eine dünne Schicht Sekunden. Aaushärten lassen. Mit dem Pin prüfen. Und die nächste Schicht. Bis der Pin etwas raus steht. Dann mit der Reibahle nachreiben bis der Pin richtig sitzt. Das war's.
 
Saiten drauf, stimmen, mit dem String Strechta dehnen (gibt's bei Thomann oder Guitar Slinger Products - das beste Tool zum Saiten dehnen), nochmal stimmen und fertig.
 
 
 

 

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