Eine Reisegitarre
Die Gitarre hatte jemand für Stephan gebaut. Und da sich die Posts des Vibratos neigten, später Hartholzdübel eingesetzt. Außerdem waren die Bundenden scharfkantig.
Bestandsaufnahme
Außer den Bundenden war ein Problem die Reparatur der Bridge Posts. Auf einer Seite war es zu einer Absplitterung in der Fräsung für die Federn gekommen. Und statt das gleich richtig zu reparieren, war einfach weiter gemacht worden und Leim teilweise in den Bruch gelaufen.
Später fiel noch der Sattel auf. Genauer gesagt fiel er unbemerkt runter. Und ich fand ihn erst nicht. Sogar den Mülleiner auf den Kopf gestellt. Der Kleber (ein winziger Tropfen - das geht bei einer Strat) hatte nicht gehalten. Dann schaute ich ihn mir doch etwas genauer an. Der Knochen war etwas glasig (vintage bone), die Saitenschlitze waren nicht mehr wirklich gut und die umsponnenen Saiten hatten ihr Wicklung eingedrückt.
Body
Erstmal überlegt, wie das repariere. Verleimen ging nicht, da Leim in den Brüchen saß. Also planen und die Brüche mit Sekundenkleber füllen. Beim Planen mit dem Stechbeitel fiel dann auch noch auf, daß für die Posts durchgebohrt worden war und die Löcher dann mit kleinen "Holzdeckelchen" verschlossen wurden.
Diese wurden entfernt und der Holhlraum mit Sekundenkleber verfüllt. Immer hübsch langsam. Etwas Sekundenkleber, Beschleuniger, warten, die nächste Schicht... .Bis das Loch zu war. Bei den Rissen im Holz wurde analog vorgegangen. Und dann erstmal 24 Stunden durchhärten lassen.
Am nächsten Tag wurden die mit Sekundenkleber verfüllten Stellen plan gearbeitet. An der Stelle wo der Tremoloblock sitzt musste nochmal mit etwas Sekundenkleber nachgearbeitet werden. Aber vorher wurde eine Platte aus Ahornfurniergeschnitten um die hässlichen Stellen unter den Tremolofedern zu verdecken. Und dann wurde die blau gebeizt (wahrscheinlich muss ich jetzt ein Dutzend blaue Gitarren bauen - ein tütchen Beize gibt 250ml) und zum Trocknen (mal wieder 24 Stunden) zwischen 2 Blatt Zewa gepackt und mit 2 Hantelscheiben beschwert. Durch dich Feuchtigkeit der Beize wölbt sich das Furnier und ich wollte ja ein gerades Stück haben. Nicht dass das krumm trocknet.
Am nächsten Tag war das getrochnete Furnier fast gerade. Der Rest wurde dann mit der Heissluftpistole erledigt. Warm machen, biegen, abkühlen lassen. Irgendwann war es dann gerade. Der Schritt ist wichtig, da man nie Holz unter Spannung verleimen sollte (außer man baut einen Bogen für's Bogenschießen). Als nächster Schritt musste eine Druckplatte angefertigt werden. Auf ein dünnes Holz wie ein Furnier kann man nicht einfach die Zwingen drauf knallen. Das wird nix.
Und um die Decke nicht zu beschädigen, wurden passen Stücke aus Hartfaseplatte angefertigt.und auf die Decke geklebt. Zuerst eine Lage Low Tack Tape, dann 3M Klebefilm und darauf die Hartfaserplatte. Low Tack Tape ist Malerklebeband mit geringer Haftung. Früher gab es das wellige Band von Tesa. Damit wurden in Konstruktionsbüros Zeichnungen festgeklebt und die Maler konnten damit auf Tapeten kleben. Die heute meist üblichen Tapes (Baumarkt) sind eigentlich zum Lackieren und für scharfe Trennkanten und kleben zu stark. Meins ist von Faithful Tools, England gekauft über Amazon.
Eingeleimt (Titebond) und mit Zwingen verpannt. Und mal wieder 24 Stunden durchtrocknen lassen. Dann die überstehende Kante zum Tremoloblock weggefeilt und nachbeizt. Beize sollte man versiegeln. Hier habe ich einfach mit dem Pinsel eine dünne Schicht seidenmatten Klarlack aufgebracht.
