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BaldMan's Mojo

Dean Performer SE7 GN

Dean ist nun nicht gerade für seine Akustikgitarren bekannt. Die Gitarre ist wirklich selten und aus gutem Material. Fichtendecke, Mahagoni Korpus und Hals. Gleichwohl fand ich beim recherchieren nur 2 auf dem Gebrauchtmarkt. Eine für 195.- (verkauft) bei Reverb, und eine in einer englischen Auktion, die für 80 GBP verkauft wurde.

Auftrag: Sattel nacharbeiten, Stegeinlage Knochen, Bundenden. Dann mal weitersehen...

Bestandsaufnahme

Der Sattel war zwar aus Knochen, aber Mist. Sowas würde ich nie abliefern. Die Enden standen über den Hals, der Saitenabstand war nicht gleichmäßig und die Saitenschlitze mies gefeilt. Mit Nachfeilen war es hier nicht getan, da der ungleichmäßige Saitenabstand nicht korrigierbar war.

Die Stegeinlage (Tusq) war verschlissen. Ein Nachteil bei Tusq ist auch, daß sich das Zeug unter Licht verfärbt. Man sieht immer bis wo sowas vom Holz bedeckt war.

Die Bridge Pins waren ziemlich verschlissen. Das waren ganz billige ziemlich dünne aus Kunststoff und hatten z.T. Grate an den Seiten. Da klemmte nicht der eigentliche Pin, sondern der Grat oder die aus dem Pin rausstehende Saite.

Bridge Pin ist nicht gleich Bridge Pin. Es gibt 6 unterschiedliche Arten (davon 4 mit Schlitz) plus Unterarten. Die wesentlichen Unterschiede sind Dicke und Winkel des Kegels.

Bundenden.Die waren bei fast allen Bünden nicht nur scharfkantig und supermies gefeilt, sondern standen hoch. Das ganze sah so aus, als hätte die jemand die schon mal neu bundiert ohne wirklich Ahnung zu haben. Da sich die Bünde auch nicht nachschlagen liessen (versucht), wurde eine Neubundierung vorgeschlagen. Alternativ alle raus, nachbiegen, und wieder rein. Das ist aber noch mehr Aufwand.

Fazit - vorgeschlagene Arbeiten:
- Sattel erneuern
- Stegeinlage erneuern
- Bridge Pins tauschen
- Neubundierung

Auf die Nachfrage, wieso da ein Schalllochtonabnehmer saß, sagte Stephan, der klang mies oder war defekt. Der kam dan noch dazu.

Piezo Pickup (Transducer)

Als der kam als erstes dran. Zum Einsatz kam ein Piezo von Musiclily. Die habe ich schon öfter (auch in Akustik Bässen) verbaut und bisher waren alle sehr angetan davon. Piezos sind nicht teuer. Meist zwischen 10-15 Euro. Außer er kommt in einer Fishman Verpackung. Dann sind's 88.-. Arbeitsaufwand max. 10 Minuten. Und den größten Teil der Zeit um das Kabel durch den Kabelhalter zu fummeln. Nichts sehen - nur fühlen. Kloptest gemacht. Funktionierte.

Die Bünde

Um es vorweg zu sagen - die Bundierung war ziemlich lausig.
 
Zuerst mal die Bünde gezogen. Ich benutze dazu 3 Zangen mit unterschiedlichen Steigungen. Schön langsam. Das ist schonender für das Griffbrett und reisst nicht soviie Chips raus. Die Bünde werden vor dem Ziehen mit einem Lötkolben erwärmt. Hierbei lockert sich der Sitz und das Holz wird elastischer.
 
Nach dem Ziehen der Bünde (keine Chips bis auf den ersten Bund) wurde mit einer Rasierklinge (vom Glasschaber. Die hat eine Schutzkante. Ich bin ja nicht bescheuert.) der Dreck entfernt, der sich untern den Bünden angesammelt hatte und mit einer Hakenklinge und einer besonderen Reinigungssäge wurden die Bundschlitze gereinigt. Hierbei ist es wichtig, den Kleber zu entfernen, der beim Verkleben des Bindings in die Bundschlitze eingedrungen war. Statt das zu machen, hatte man einfach die Bundstege (engl. Fret Tang) angepasst.
 
Als nächstes kamen die Chips am 1. Bund dran. Ein Teflonstreifen in den Bundschlitz (da klebt nichts dran), Palisanderschleifstaub in die Schadstellen, mit Sekundenkleber durchtränkt und 24 Stunden durchhärten lassen. Dann runter gefeilt, mit der Rasierklinge plan gearbeitet und geschliffen.
 
Und dann wurde geschliffen. Mit dem Radiusschleifbloch (14") von 150 - 400 und das Finish mit Micromesh bis 12000. Dann fängt Hartholz von alleine an zu glänzen. Beim Schleifen muss man sich fragen "Wieviel"? Pefekt ist, wenn Binding und Griffbrett eine einzige Kurve bilden. Nur muss dann oft zuviel runter. Oft wird das Binding beim Anschrägen der Bundenden mit angeschrägt, ist stellenweise geschrumpft oder sonstwie vermackt. Das war auch hier so. Und schleifen bis die Dots weg sind, wollte ich auch nicht.
 
Und dann wurde bundiert.
 
Anmerkung:
Ein Bundstäbchen ist vor dem Einhämmern/Einpressen immer etwas gekrümmter, als das Griffbrett. Dies sorgt dafür, dass es (vor allem an den Enden) überall aufliegt. Natürlich nur, wenn das Griffbrett perfekt ist. Hat man ein Binding, muss das Bundstäbchen dort der Tang ausgeklinkt werden und zwar etwas mehr, als die Länge des Bundschlitzes, da es sich zum einen durch die Verringerung des Radius zur Seite ausdehnt (sonst drückt es sich ins Binding) und zum anderen. da Holz arbeitet und schrumpft. Berücksichtigt man das nicht (schon oft genug gesehen), arbeitet sich das Bundstäbchen ins Binding, was zu Rissen, Wellen und im schlimmsten Fall zur Ablösung des Bindings führt. Damit das Bundstäbchen auf em Binding anliegt, bekommt das überstehende Ende einen mit dem Hammer (funktioniert meist) oder wird vorher mit einer speziellen Zange stärker gebogen.
 
Statt alle Bundstäbchen vorzubereiten, mache ich bei Bindings immer eins nach dem anderen. Das ist genauer. Ein nach dem anderen wurde vorbereitet und eingehämmert, die Überstände abgeschnitten und erstmal bündig gefeilt. Und dann die Bundenden über dem Binding kontrolliert. Und damit fing der "Ärger" an.
 
Ärger ist etwas übertrieben. Aber der 1. Bund musste nochmal neu. Damit hatte ich gerechnet. Der 1. Bund ist zum Testen. Und danach den Rest des Drahtes auf einen etwas engeren Radius in der Machine gebogen. Hätte ich vorher alle Bünde schon geschnitten, wäre das deutlich aufwendiger gewesen. 5 Bünde mussten nochmal raus. Der Bund lag aufgrund der weiter oben beschriebenen Probleme mit dem Binding am Binding nicht sauber auf. Und 3 Bünde federten an einem Ende. Da war der Bundschlitz zu ausgeleiert und hielt den Bund nicht mehr sauber. Das waren aber auch die Bünde, die vorher schon deutlich hoch standen.
 
Danach sah es gut aus. Nur 2 Bünde hatten kleine Hochstände, die beseitigt wurden. Anschliessend alle Bünde neu verrundet (auch in der Produktion kommen Kratzer und kleine Macken auf den Draht. Und dann ist da noch das Einhämmern), geschliffen, poliert und das Griffbrett geölt. Das war's.
 

Sattel

Ich habe ja keine Ahnung, welcher Ochse den alten Sattel gemacht hat. Nicht nur dass er bei den Saitenabständen gepfuscht hat. Nein - beim Feilen der Saitenschlitze hat er auch ein paar Kratzer in die Kopfplatte gemacht.

Mal abgesehen davon, daß das mein erster Sattel für eine 7 saitige Gitarre war, lief alles normal. Sattelrohling aus einemStück Rinderknochen gearbeitet und angepasst, Saitenschlitze gefeilt, den Sattel in Form gebracht, poliert und eingebaut. Fertich.

Brücke (Stegeinlage)

Wenn man einmal kapiert hat, wie man eine Stegeinlage aus Knochen schleift, ist das Anfertigen eines Rohlings kein großer Akt mehr. Allerdings ist das Anfeilen der Kompensation doch etwas nervig. Einmal falsch gefeilt und das Ding ist versaut.

Nach Überprüfung von Krümmung (Oberkante Griffbrettradius 14") und Höhe wurde die alte Stegeinlage als Muster für die Kontour genommen. Nicht für die Dicke. Wie so oft war die industrielle Stegeinlage zu dünn und kippelte. 

Etwas knifflig war die Anpassung der Dicke, da die Nut in der Brücke nicht ganz parallel war.

 
Fertigstellung
Sattel drin, Bünde gemacht, Stegeinlage erledigt - da fehlten eigentlich nur noch die Saiten. Und die Bridgepins. Glücklicherweise gibt es einen Satz Pins für 7 saitige von Martin. Genau wie z.B. Knochenpins sind die etwas dicker. Damit die nicht abnorm weit raus standen wurden die Bohrungen etwas aufgerieben (Reibahlen f. Bridge Pins sind sch...teuer. Meine von Rall Guitars kostet mal eben schlappe 70.-). Es empfiehlt sich, die Pins unten anzuschrägen. Dadurch wir das Ball End der Saite beiseite gedrückt und es bleibt einem ein "Bamm" (und der Schreck) erpspart, wenn beim Spannen der Saite Pin und Saite rausfliegen. Die Pins sollen die Saite am rausrutschen hindern, nicht sie festhalten. Außerdem wurden passend zu den Saiten Schlitze aus Richtung Stegeinlage zum Pin eingefeilt. Im Idealfall liegt der Pin an der Brücke an und die Saite läuft durch den Schlitz zur Stegeinlage.
 
Ich lasse den Pin immer etwas höher rausstehen, da sich im Laufe der Zeit durch die Saitenwechsel die Bohrung etwas weitet und man da etwas Reserve gebraucht.
 
Dann die Saiten drauf, gestimmt, gedehnt und wieder gestimmt. Und dann getestet. Alle funktionierte - fertig.
 
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