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BaldMan's Mojo

Harley Benton P-Bass - Umbau auf fretless

Der Bass sollte bundlos werden. Er war fast neu. Also keine Macken auf dem Griffbrett, Dreck unter den Bünden usw.. Schon mal gute Voraussetzungen.

Bestandsaufnahme

Wie gesagt - fast neu. Und ein Kunststoffsattel. Der Sattel war zu erneuern. Beim Umbau auf bundlos muss der Sattel (Saitenschlitze und Gesamthöhe) um die Höhe der entfernten Bundstäbe tiefer gefeilt werden. Das macht bei einem Kunstoffsattel keinen Sinn, da das fast so teuer ist wie ein Knochensattel. Und Kunststoffsättel sind oft hohl. Dann hat man auf einmal ein Loch in der Saitenkerbe. Und dieser Sattel war hohl.

Beim Abschrauben des Halses fielen aus einem Schraubenloch 2 Holzstreifen. Die Bohrung war zu weit. Bei einer 4-Lockbefestigung werden 2 Schrauben auf Zug und 2 Schrauben auf Druck belastet. Die Bohrung war auf Zug belastet. Also musste hier in jedem Fall ein Dübel rein.

Umbau

Erstmal die Bünde gezogen, die Bundschlitze nachgesägt und vorm Feierabend die eine Bohrung der Halsbefestigung verdübelt, damit der Leim über nacht gut durchtrocknen kann.

Bundschlitze meist tiefer gesägt sind als Bundstege lang sind und das Loch an der Griffbrettkante oder der ganze Schlitzmit wird mit unterschiedlichsten Material verfüllt. Und das muss weg.

Wenn man Bundschlitze sägt gibt es 2 Methoden:

  1. Schlitz sägen und Griffbrett verrunden -> gerader Sägeunterkante. So machen es die meisten.
  2. Griffbrett verrunden und Schlitz sägen -> gewölbte Sägeunterkante, die dem Griffbrettradius folgt. (z.B. Fender)

Leider wurde hier Methode 2) verwendet. Das hiess, dass jeder Füllstreifen an der Unterseite im Griffbrettradius (14") auszuarbeiten war. 20 Stück.

Also Furnierstreifen abschneiden, Längen markieren, Ausrundung anzeichnen und dann ab an den Walzenschleifer. Langsam und vorsichtig. 0.6 mm dickes Furnier hat man schnell versemmelt. Dann die einzelnen "Bünde" vom Furnierstreifen abschneiden und probehalber einsetzen. Soll ja passen. Passt man dabei nicht auf bricht das Furnier und man darf einen neuen Streifen anfertigen.

Dann mit Sekundenkleber eingeklebt. 2 gingen schief. Den Tag hatte ich eine rel. Luftfeuchtigkeit von über 60%. Und je höher die Luftfeuchte, desto schneller bindet Sekundenkleber ab. Die beiden Fehlerhaften wurden rausgesägt und neu gemacht. Alle Überstände mit dem Stechbeitel weggeschnitten, dann mit der Rasierklinge (Glasschaber mit Schutzkante!) abgezogen und noch vorhandene Spalten mit Sekundenkleber verfüllt.

Und dann ging es ans Schleifen. Erst 150 - 400er Schleifpapier und dann Micromesh 1500 - 12000 (da glänzt Hartholz auch ohne Politur).  Als nächstes noch das Griffbrett mit meinem Lieblingsöl geölt.

Und anschliessend wurden die Griffbrettseiten ausgebessert. Mattlack, schleifen und dann mit Micromesh auf Seidenglanz gebracht. Das war's.

Der Sattel

Die Anfertigung des Sattels lief eigentlich wie schon oft beschrieben (nur daß das Ding niedriger ist). Knochen sägen, Rohling schleifen und einpassen, Saitenschlitze feilen, in Endform bringen und polieren. Beim Bass kann man beim Anzeichnen der äußeren Saitenschlitze aber nicht einfach einen gleichmäßigen Seitenabstand zur Griffbrettmitte wählen wie bei einer Gitarre. Die Saiten sind dafür zu dick. Das sieht nachher ungleichmäßig aus. 
 
Berechnung: Seitenabstand + Saitenstärke / 2. Hier also:
.100 Saite (E:): 25,4 (1 Zoll in Millimetern) x 0.100 /2 + 3mm = 4,27 mm (gerundet 4,3 mm)
 .045 Saite (G) 25,4 (1 Zoll in Millimetern) x 0.045 /2 + 3mm = 3,57 mm (gerundet 3,6 mm)
 
Ein Unterschied von 0,7 mm. Und das sieht man. Bei einem 5-Saiter Bass ist das noch gravierender.
 
Als ich meinen ersten Basssattel gemacht habe, war mir das noch nicht klar. Und es fällt erst auf, wenn die Saiten drauf sind. Es sah beschissen aus.
 
Beim Feilen der Saitenschlitze wurde erwartungsgemäß ins Griffbrett gefeilt. Das Stück zwischen Sattel und Kopf ist für fretless einfach zu hoch. Bei einem Sattel wie bei der LesPaul (für Stefan schonmal gemacht) hat man das Problem nicht.
 
Runtergefeilt bis die Kerben weg waren und dann noch etwa tiefer um Luft für die Saiten zu schaffen. Mit 400er Schleifpapier geschliffen und dann mit Micromesh bis 12000. Danach glänzte das Holz schon. Noch eingeölt und es sah wieder gut. Und dann noch den Sattel eingebaut.
 

Zusammenbau und Setup

Und dann ging es an den Zusammenbau.

Erstmal fielen die Bohrungen im Body auf. Jeder weiss (oder sollte es wissen), daß man beim Zusammenschrauben zweier Teile eine Durchgangsbohrung (Schraubendurchmesser oder 0,5 mm größer) benötigt und im Gegenstück eine kleinere Bohrung wo sich die Schraube rein schneidet. Das zieht die Bauteile zusammen.

Fender (und leider auch andere) verwendet das System "Spaxschraube". Eine gleichgroße Bohrung in beiden Teilen. Funktioniert aber nur, wenn beide Teile fest verpresst sind. Ansonsten gibt es einen dämpfenden Luftspalt. Das hat keine klangtechnischen Vorteile, sondern spart nur in der Produktion einen Arbeitsschritt.

Hier war das noch etwas weiter getrieben. Die Bohrung im Korpus hatte eher die Form eines Hyperboloids. Oben und unten weiter, in der Mitte schnitt die Schraube. Die Form hat eindeutig den Vorteil, daß sich der Hals besser ausrichten lässt. Auf 5 mm aufgebohrt. Dann ging die Schraube durch.

Zunächst mal den Hals (mit 3 Schrauben - eine Bohrung war ja verdübelt) reingeschraubt. In die 4. einen Holzbohrer mit Spitze, drauf gehauen, und im Halsfuss war eine aubere Markierung für die neue Bohrung.

Gebohrt, endgültig zusammengeschraubt, Saiten drauf, Hals ausgerichtet und gestimmt. Und vor dem Setup erstmal einen Tag liegen gelassen. damit sich alles richtig ziehen konnte.

Das Setup war unspektakulär, aber anders. Halskrümmung geprüft - die war ok (für einen Bass mit Bünden). Gleiches gilt für die Saitenlage. Korrekte Höhe und es scheppert. Es dauert eine Weile, bis man die richtige Kombination aus Halskrümmung und Saitenlage hat.

Da die Saitenreiter nun wesentlich tiefer lagen, wurden die Einstellschrauben gegen kürzere getauscht. Ist ja ein Bass und kein Nagelbrett. Zum Schluss noch die Oktavreinheit eingestellt.

Beim Testen fiel dann noch auf, dass 2 Potis etwas knackte. Das lies sich aber mit Deoxit lösen.

Dann war der Bass endlich fertig.

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