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BaldMan's Mojo

Ein "etwas" in die Jahre gekommener Squier Jazz Bass

Mein Gitarrenlehrer Stephan Kramer hatte da ein paar Instrumente zu machen. Eines davon war ein Squier Jazz Bass der Musikschule Eching.

In den späten 80ern und frühen 90er liess Fender Squier Instrumente bei mehreren Firmen in Korea bauen. Lt Seriennummer wurde Dieser Bass 1989 bei Samick gebaut (S9xxxx).

Genau wie bei meinem ebenfalls bei Samick gebauten Hondo Bass aus den 80ern war hier der Body ebenfalls aus Plywood (nein - das ist keine besonders tolle Holzart, sondern dickes Sperrholz bzw. Multiplexplatte).

Bestandsaufnahme

Die Brücke war etwas, was man heute nur als "Billigschrott" bezeichnen würde und sowohl in tonaler als auch in mechanischer Hinsicht von schlechter Qualität. So waren z.B die Satenreiter nicht gegen seitliches Verrutschen gesichert.

Der Kunststoffsattel war verschlissen und musste ersetzt werden.

Das Volumepoti war verschlissen und hatte nicht mehr den entsprechenden Widerstand (250 kOhm). Beide Potis (Volume und Ton) entsprachen in Form und Ausführung nicht der üblichen Form für Gitarren. Sie waren nicht zum Anlöten von Kabeln ausgelegt, sondern zur Montage in einer gedruckten Schaltung.

Völlig unnötig wurden Kabel verlängert. Anscheinend hatte hier jemand die komplette Control Plate aus einem anderen Bass (Kabel abgeknippst) ausgebaut und hier eingebaut.

Der Kondensator hatte zwar den richtigen Wert, war aber gerade unter Berücksichtigung des geringen Platzes viel zu groß. Er entsprach in seiner Ausführung eher Schaltungen von Röhrenradios aus den 50ern (wer braucht in einem Bass einen Kondensator, der für 1000 Volt ausgelegt ist? Hochspannung Röhrenradio).

Der 4-stufige Drehschalter war in Ordnung. Allerdings wurde beim Einbau nicht auf ausreichenden Freiraum geachtet. Er klemmte in der Ausfräsung. Das führte dazu, dass die Schrauben der Kontrollplatte unter seitlicher Spannung standen.

Das Elektrofach war nicht abgeschirmt, was aber bei Single Coils zur Vermeidung von Netzbrummen der Fall sein sollte.

Elektrik

Zuerstmal die Control Plate, Bridge Pickup, Brücke  und Massekabel zur Brücke ausgebaut. In der Fräsung des E-Faches musst mit dem Dremel Platz für den Schalter geschaffen werden und da sind Kabel eher im Weg.
 
Damit nicht zuviel Material entfernt wurde, kam Malerkrepp auf den Korpus, die Konturen der Control Plate wurden angezeichnet, die Position des Schalters markiert und dann Platz geschaffen.Danach wurde das E-Fach abgeschirmt. Und dann dachte "Bist Du ein Trottel" und baute den Halspickup auch noch aus (die Kabel hätte ich gar nicht aus dem Weg kleben müssen).
 
Warum? Auch Single Coil Pickups können eine Abschirmung vertragen. Da das Pickguard über die Fräsöffnung heraus ragte, flog es auch runter (die gammeligen Schrauben hatten mich eh gestört). Ein Massekabel in jede Pickupfräsung, mit Abschirmfarbe abgeschirmt und dann wurde das Pickguard wieder mit neuen Schrauben befestigt.
 
Und dann ging es an die eigentliche Elektrik. Grundsätzlich:
  • Man verlötet ordentlich
  • Man führt nicht alle Masseverbindungen an der Buchse zusammen (die ist dafür nicht gemacht)
  • Man verlängert nicht unnötigerweise Kabel
  • Man verwendet nicht unpassende Bauteile
Wie schon gesagt waren die Potis für Printmontage in Platinen. Die hatten keine Lötaugen. Nur angelötete Kabel etc. können sich durch Bewegung lösen oder weil Lötzinn altert. Deshalb hatte sich der Kondensator am Poti auch gelöst.
 
Die Bohrungen in der Control Plate waren für 10 mm aufgebohrt. Die meisten asiatischen Gitarren kommen mit kleinen Potis (7 mm Gewindedurchmesser) oder großen Potis (8 mm Gewindedurchmesser). Ich verbaue am liebsten die großen Potis. Simple Geometrie. Je größer der Durchmesser, desto mehr Weg macht der Schleifer des Potis pro Grad. Damit lässt sich feinfühliger regeln. Hier waren es wahrscheinlich kleine Potis.
 
Aufgrund der Bohrungen entfiel die Wahl auf Potis nach amerikanischen Standard - 3/8" (9,5 mm).
 
Alle Pickup- und Massekabel wurden auf eine vernünftige Länge eingekürzt. Außer den Verbindungen auf dem Schalter wurden alle Kabel erneuert. Die Buchse wurde gedreht. Bei einem abgschrmten E-Fach ist die Gefahr einfach zu groß, dass der heisse Pol gegen die Abschirmung kommt und man einen Kurzschluss hat.

Beim Einbau der Control Plate stellte sich heraus, dass das E-Fach nich korrekt gefräst war. Die Wände liefen nicht parallel, sonden aufeinander zu. Das Volumepoti ging rein - das Tonpoti nicht. Ende der 80er / Anfang der 90er war der Fertigungsstandard in Korea nicht höher als in China vor einigen Jahren. Nochmal zum Dremel gegriffen, danach die Abschirmung ausgebessert und das war's. 
 

Brücke

Als Ersatz für die Brücke kam eine 201B-4 von Gotoh (Japan) zum Einsatz. Gleichen Bohrungsabstand wie die alte Brücke. Also raus und rein. War aber nicht so. Die alte Brücke (Abstand zum Pickup 2,5 mm Differenz) sass schief und es mussten mehrere Schraubenbohrungen verdübelt und neu gebohrt werden. Und eine der nochbenutzbaren Bohrungen war etwas ausgeleiert. Hier reichte aber Füttern mit einem Holzspan.

Sattel

Den Sattel gezogen und dann erstmal die Bünde mit Stahlwolle 0000 überpoliert, das Griffbrett gereinigt und neu geölt. War zwar nicht im Auftrag, aber die angelaufenen (teilweise mit Grünspanflecken) Bünde haben mich genervt.
 
Außerdem stellte sich heraus, dass der Saitenniederhalter lose war. Grund war eine zu lange und nicht passende (zu dünn) Schraube. Richtige Schraube genommen und schon war der Drops gelutscht.
 
Der alte Sattel war eine Katastrophe. Nicht nur, dass er verschlissen war. Er war auch noch falsch. Er hatte eine runde Aussparung an der Unterseite in Mitte. Diese Sattelform wird verwendet, wenn der Halsstab in die Sattelnut ragt. Das war hier aber nicht der Fall. So lag der Sattel in der Mitte hohl. Das kostet Sustain und Ton bei offenen Saiten (die beim Bass natürlich nie gespielt werden). 
 
Als erstes wurde Sattelnut gereinigt und plan gefeilt, Das dauerte deutlich länger als normal, da sich natürlich an der Hohlstelle des Sattels viel Kleber angesammelt hatte.
 
Dann das übliche. Knochen sägen, 2 Seiten plan und rechtwinklig zueinander schleifen. 
 
Anmerkung: Bevor man mit dem Feilen der Saitenschlitze loslegt, sind beim Bass aber ein paar Rechnungen notwendig. Oder man ärgert sich über einen versauten Sattel.
 
Dann den Sattel im Dickenschleifer vorgeschliffen und den Rest bis er passte auf dem Schleifbrett. Enden angepasst, Sattel auf vorläufige Höhe geschliffen (Bundhöhe + Spiel + Saitenstärke), die Saitenschlitze angezeichnet und gefeilt. Und dann dem Sattel seine endgültige Form gegeben, poliert und eingebaut.


Setup und fertig

Unspektakulär. Saiten drauf, gestimmt, Saiten gedeht, Halskrümmung geprüft (die stimmte), Saitenlage eingestellt. Und dann die Oktavreinheit eingestellt. Die liess sich bei E- und A-Saite nicht ganz einstellen, was aber an den Saiten lag. Vom der Brücke her wäre das schon gegangen, aber die gewünschten Fender Flatwound Saiten sind am Ende relativ lang umsponnen und da konnte der Saitenreiter nicht weiter verstellt werde. Dann noch die Pickuphöhe eingestellt. Gestestet. Alles funktionierte. Fertig.

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