Lt. Seriennummer war die Gitarre "Made in Indonesia" mit einem Jackson Tremolo (Floyd Rose Licensed)
Bestandsaufnahme
Die Bünde mussten gemacht werden und am Body war ein Lackaplatzer. Die lackfragmente waren aber vorhanden.
Bünde
Zunächst wuren die üblichen Schadstellen beseitigt. Dann die Bünde abgerichtet und neu verrundet. An den Bundenden wurden die scharfkantigen Ecken weggestoßen und der Grat gebrochen. Die Feinarbeit kam dann später.
Dann das Griffbrett gereinigt und neu geölt. Warum ich das nicht als letztes mache? Feilspäne/Feilstaub lässt sich leicht wegsaugen. Anders sieht das mit dem Schleifstaub vom Nassschliffpapier und vom Micromesh sowie vom Polierwachs aus. Kennt jeder, der mal Metall geschliffen hat. Schwarze Pfoten. Und das zeug setzt sich in die Poren. Ölt man vorher, kann sich das Zeug nicht ins Griffbrett setzen bzw. lässt sich wieder gut entfernen.
Dann die Bünde erst mit 800er und danach mit 1000er geschliffen umd die Spuren von der Diamantfeile weg zu bekommen und danach die Bundenden mit Micromesh Pads von Dictum bis 12000 poliert. Die Pads haben einen Schaumträger und legen sich wunderbar an die Bundenden an. Die Enden sind dann schön rund ung glänzend. Kommt vor dem Polieren der Bünde. Wenn man mal auf die Bünde abrutscht, ist das beim Polieren wirder weg. Andersrum = doppelte Arbeit. Danach noch die Bünde mit dem Dremel poliert, sauber gemacht und das Griffbrett nochmal geölt.
Body
Der Lackabplatzer war aus mehreren Günden eklig. Die meisten Fender und Gibson Farben gibt es mittlerweile im Handel. Bei allen anderen Herstellern sieht es mau aus.
Und dann war die noch die Ausführung der Lackierung.
Normalerweise platzt Lack in einem oder mehreren Stücken bis auf das Holz ab und man kann es gut wieder einkleben. Hier gab es schichtweise überlappende Abplatzer. Wahrscheinlich haben die Indonesier zwischen den verschiedenen Schichten nicht richtig geschliffen. Im Gegensatz zu z.B. Nitrolack (Nein - Lack hat keine Auswirkung auf den Klang!) verbinden sich bei Polyesterlacken oder PUR( Polyurethanlacken - die Amis sagen einfach Poly) die Schichten nicht miteinander. Die kleben nur aufeinander.
Also erstmal mit dünnflüssigem Sekundenkleber stabilisert und die Stücke möglichst genau eingeklebt. Lücken (Holz) wurden mit einer fast passenden Airbrushfarbe von Schmincke (Candy) kaschiert. Und dann wurde mit Sekundenkleber in dünnen Schichten aufgefüllt. Dicke Schichten brauchen ewig zum Durchtrocknen und die Gefahr von Bläschenbildung ist groß. Gleiches gilt für die Verwendung von Beschleuniger.
Also Schicht, über Nacht trocknen lassen, wieder 'ne Schicht usw.. Hat man dann einen Huckel kommt die Rasierklinge (vom Glasschaber - die hat 'ne Schutzkante) als Ziehklinge. Dann zeigt sich, wo noch aufgefüllt werden muss. Also das Spielchen von vorn. Dann wurde das ganze geschliffen (zuletzt mit 4000er) und poliert.
Setup und fertig
Erstmal wieder zusammengeschraubt und Saiten drauf. Das Tremolo hatte ich beim Zerlegen mit ein paar Holzklötzchen blockiert. Dann die gestimmt und die Saiten mit dem String Stretcha (gibt es z.B. bei Guitarslinger Products oder bei Thomann). Das Ding habe ich zum ersten Mal in einem Video von Eddy van Halen's Guitar Tec Tom Weber gesehen. Das beste zum Saiten dehnen, was es gibt. Nachgestimmt und die Oktavreinheit eingestellt. Bei dem verbauten Jackson Tremolo echt nervig. Da passt kein normales Werkzeug um die Böckchen zu halten. Also Saite entspannen, Böckchen verstellen, wieder stimmen und das Ganze von vorn. Glück gehabt. Nur 3 mussten nachgestellt werden. Halskrümmung und Saitenlage kontrolliert (passte) und das war's.