Gibson Flying V - Pickup, Poti und Chaos in der Elektrik
An der Flying V (lt. Seriennummber vo/2010) zickte ein Volume Poti rum und der Bridge Pickup sollte getauscht werden. Pickup wurde bestellt (Warman Tennessee Revival) und ein 500 kOhm Poti (CTS) hatte ich eh da. Kein großes Ding (dachte ich).
Bestandsaufnahme
Christian fasst die Elektrik nicht an und hatte die Gitarre mal an jemand weggegeben um die Elektrik zu machen die rumzickte. Vorausgreifend lässt sich sagen, daß diese "sogenannte Gitarrentechniker" von Elektrik, Löten, Schaltplan lesen etc. wahrscheinlich weniger Ahnung hatte, als ich von Quantenphysik.
Erstmal fiel auf, daß die Potis abnorm weit raus standen. Die waren wohl mal wieder jemand ohne zweite Mutter oder Scheibe zwischen Poti und Pickguard verbaut.
Die Fräsung für die Elektrik war sauber mit Kupferfolie abgeschirmt. Allerdings flogen Lötzinnreste im E-Fach rum. Das geht gar nicht. Potentieller Kurzschluss. Im Bereich der Buchse war gegen Kurzschluss Isolierband auf die Kupferfolie geklebt, daß sich gelöst hatte. Das Kabel vom vom Neck Pickup war in einem Schlauch.
Da bestanden wohl Bedenken, daß die Masseabschirmung (Geflecht) einen Kurzschluss gegen die Kupferfolie (Masse) auslöst. Die verwendeten Kabel sahen eher aus wie aus der Elektroabteilung des örtlichen Baumarktes und die Löstellen waren eher Bratstellen. Die Masseverbindung auf der Rückseite des Tonpotis kam durchaus an den einen oder anderen Berg der Alpen ran.
Die Pickups hatte "Igel" aus Stahlwollfasern. Das passiert vielen. Wenn man mit Stahlwolle am Griffbrett arbeitet, sollte man die Pickups abkleben.
Insgesamt nicht Ungewöhnliches bei einer älteren Gitarre.
Die Reparatur
Erstmal demontiert und das Massekabel Bridge vom Tonpoti abgelötet. Und die Zugpitze entfernt. Ok - da war im Laufe der Zeit schon mal heftig gebastelt worden. Beim Entfernen des Lötzinns kamen die Reste von 4 abgeschnittenen Kabeln zum Vorschein. Immer munter abgeschnitten und drauf gelötet.
Bridgepickup ausgebaut, die Igel weggesaugt und den Pickup eingetütet. Dann die Igel am Neck Pickup. Pickup ausgebaut. Noch nie so lange Federn gesehen. Die waren völlig unpassend. Aufgrund der Länge hatten die in eingebautem Zustand Wellen geschlagen (logsich - irgendwo muss die Länge ja bleiben). Pickup entigelt und mit passenden Federn wieder rein.
Und dann ran an die Potis. Volume Brücke und Ton erstmal auf die richtige Höhe gebracht und dann das defekte Poti getauscht. Hier zeigte sich mal wieder der Pfusch. CTS Potis haben meist eine Nase auf der Oberseite. Die fasst z.B. bei Verstärkern in eine Bohrung und verhindert das Verdrehen des Potis. Ältere Fender Pickguards haben auch oft die Bohrung. Ohne Bohrung muss man die Nase wegfeilen, da sich sonst das Poti verkantet. Man rate, was hier nicht passiert war.
Massekabel Brücke neu angelötet und getestet. Irgendwie funktionierte das zwar, aber nicht richtig. Und dann die Schaltung genauer angeschaut. Reaktion: "Ach du Schei...". Der Aufbau zeugte von einer Extraportion "keine Ahnung".
Massekabel zur Abschirmung war nicht vorhanden. D.h. wirkungslos. Tonpoti ohne Kondensator, dafür aber mit den Außenkontakten in den Massekreislauf eingeschleift. 500kOhm Widerstand in der Masseverbindung. Schwachsinn. Und der mittlere Kontakt (da wird die geregelte Spannung abgegriffen) nicht belegt. Völlig vermurkst. Das musste aufgeräumt werden.
Nach genauerer Inspektion der Schaltung war "Aufräumen" gestorben. Das musste komplett neu. Ich hätte nicht gedacht, daß man bei so wenig Kabeln soviel vertauschen kann. Sogar die Kabel an der Buchse waren vertauscht. Und die Volume Potis für Neck und Bridge auch.
Das da überhaupt ein Ton raus kam grenzt eher an ein biblisches Wunder, als an Elektrik. Oder Catweasle war im Spiel. Elektriktrick.
Alles rausgeschmissen und neu aufgebaut. Leider war die Masseverbindung zum Saitenhalter ein Draht und den konnte ich nicht tauschen. Ich hasse Drähte in Gitarren. Wenn das Poti an dem der Draht angelötet ist lose kommt (was natürlich "nie" vorkommt) und sich bewegt, bricht der Draht irgendwann ab.
Dann Saiten drauf, stimmen, dehnen, wieder stimmen und Saitenhöhe und Pickuphöhe eingestellt. Das war's. Alles funktionierte.
