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BaldMan's Mojo

Fender Vintera 60s Strat (Bj. 08/2019) - Made in Mexico

Uli hatte mich angeschrieben weil seine Bünde sehr abgenutzt seien und fragte nach einer Neubundierung mit Edelstahlbünden. Er hatte schon woanders gefragt und man hatte ihm das dort auch empfohlen. 550 - 600.- Euro.

Ehrlich gesagt war das eine Frechheit. Sicher, wenn Kunden danach fragen, machen es viele gerne. Für Tanzmucker, die dauernd die unteren Lagen runterspielen oder für Bands, die ein Gig nach dem anderen spielen, können Edelstahlbünde eine gute Wahl sein. Für alle anderen eher weniger. Man muss sich einfach überlegen, wie lange es eigentlich gedauert hat, bis die Macken drin waren.

Bestandsaufnahme

Der Sattel war noch in Ordnung. Die Bünde hatten Spielspuren, die aber noch abrichtbar waren. Die Macken sehen oft schlimmer aus, als sie sind.

Um es vorweg zu nehmen. Fenderbünde sind neu ca. knapp 1,1 mm hoch. Bem Nachmessen nach dem Abrichten waren sie ca. 0,08 mm niedriger. Unter einem Zehntel. Wer unte diesem Umständen zur Neubundierung rät, verdient eigentlich eine Anzeige wg. Betrugs.

Die Bünde waren seitlich teilweise aus dem Griffbrett gekommen. Das spricht im allgemeinen dafür, daß das Holz von Griffbrett und Hals nicht ausreichend trocken war. Die Bundenden waren unsauber abgerichtet. Man hatte den Eindruck, jedes Ende hat einen anderen Winkel. Die scharfen Ecken am Bundende waren nicht weggestoßen.

Es passiert, daß sich der Bundsteg (engl. Tang) beim Einpressen oder Ablängen der Bünde leicht verformt oder daß ein Bundschlitz zu tief ist. Dann entsteht eine Lücke, die man verfüllen muss damit nicht Feuchtigkeit (Handschweiss etc.) und Dreck eindringen kann. Das war hier nicht passiert.

Zum Griffbrett. Bis 1962 verbaute Fender als Griffbrett Slap Boards. Ein gerades Brett, dem der Griffbrettradius angeschliffen wurde. So machen es fast Hersteller. Danach kam einfach ein starkes Furnier auf den vorher verrundeten Hals. Die Dinger lassen sich oft überhaupt nicht neu bundieren. Ist das Griffbrett runter gespielt bleibt nach dem Schleifen nicht mehr genug Material um die Bundschlitze nachzusägen. Man würde in den Hals sägen. Danach kam die Rückkehr zum Slap Board wie hier. Aber teilweise saudünn (wie hier). Da passen die Side Dots nicht mehr ins Griffbrett. Und beim Neubundieren gilt dasgleiche wie für Furnier. Grund für den dünnen Mist ist einfach nur Kosten sparen. Man bekommt mehr Griffbrretter aus dem Palisanderstamm.

Glücklicherweise reichte hier Abrichten der Bünde.

Ich hatte schon etliche neuere Fender Made in Mexico auf der Werkbank und ich habe schon etliche chinesische Gitarren gesehen, die von der handwerklichen Ausführung besser waren. Ist so ähnlich wie mit Mercedes früher - 50% Kuapreis für das Auto und 50% für den Stern auf der Motorhaube.

Reparatur

Hals abgebaut und in meiner Vorrichtung eingespannt. Und erstmal mit einer Rasierklinge (mit Schutzkante vom Glasschaber) als Ziehklinge der Dreck vom Griffbrett entfernt. Die Rasierklinge hat den Vorteil, daß man damit den Dreck erwischt, der sich in der Ecke zwischen Bund und Griffbrett ablagert.

Dann Macken und Hochstände entfernt und die Bünde neu verrundet. Als nächsten wurden die seitlichen Überstände beigefeilt und die Griffbrettseite feingeschliffen und poliert. Danach die Schräge der Bundenden nachgefeilt, die scharfen Ecken der Bundenden weggestoßen und die Bundenden neu verrundet und poliert.

Als nächste kam dann der Feinschliff der Bünde mit 800er und 1000er Schleifpapier. Es fehlte nur noch das Polieren. Aber vorher das Griffbrett mit Waschbenzin (engl Naphta) gereinigt und neu geölt.

 
Warum nicht zuletzt oder zuerst geölt? Feilstaub geht von einem trockenen Griffbrett gut ab. Bei einem frisch geölten bleibt er leicht hängen. Im letzten Schritt wird poliert Und die Polierpaste ist eigentlich keine Paste, sondern ein wachsgebundener Block. Und bleibt an einem frisch geölten Griffbrett nicht hängen. Als letzter Schritt kam dann wie gesagt die Politur mit dem Dremel.

Setup

Saiten drauf und einstellen. Aber typisch Fender Mexico. Nicht geht so richtig wie es sollte. Halskrümmung stimmte nicht. Also einstellen. Wo war die Schraube? Am Halsfuss. Aussparung für den Schlüssel im Body? Nicht vorhanden. Muss man eigentlich jeden Scheiss so bauen, wie man es früher mal gemacht hat und inzwischen verbessert hat? Man kauft doch eine Gitarre wg. Sound und Bespielbarkeit und nicht wg. der Widerholung von Bockmist der Vergangenheit. Also ein paar Mal den Hals runter bis die Krümmung den Werksangaben entsprach. Und die E-Saite auf der ganzen Länge trotz mehr als normaler Saitenhöhe schepperte. Also Halsrümmung wieder stärker eingestellt. Irgendwann ging es dann. Ursache? Fehlerhaft gefräste Halstasche im Korpus. Dann die Seiteneinstellung des Halses. Die E-Saite hatte reichlich Luft zur Griffbrettkante wohingegen die e-Saite genau auf der Kante saß. Normalerweise löst man die Halsschrauben etwas, drück den Hals rüber und zieht ihn wieder fest. Nur der Hals sass ziemlich stramm in der Tasche. Diese war ganz leicht schräg gefräst. War wohl zuviel Mescal oder Tequila. it etwas tricksen brachte ich es dann aber doch hin.
 
MiM = Mächtig in Mist.
 
Der Kunde war jedenfalls zufrieden und das Ding funktionierte wieder.
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