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BaldMan's Mojo

Johnson 5-saiter Bass - Eine Stringray Kopie

Die Stachelrochenkopie kaufte ich über kleinanzeigen.de. Es war der erste Bass des Vorbesitzers und er hatte 20 Jahre treulich auf der Bühne gedient. Nur war er Deko, ziemlich ramponiert, Lackabplatzer, grün angesprüht und ich wollte ihm wieder zum Leben verhelfen.

Im Rahmen des Projektes stellte sich heraus, dass das alles über eine Reparatur hinausging. Der Sprühlack war z.B. durch die Lackrisse (s.u.) bis ins Holz eingedrungen und die Elektrik war Mist. Ein Volume- und ein Tonpoti. Das war's.

Also stand ein Umbau an.

Bestandsaufnahme

Der Sattel war hin, ein paar Bünde beschädigt (die sahen aus, als hätte wer mit 'nem Hammer auf die Bünde gedroschen), 2 Schrauben der Halsbefestigung fehlten und man hatte sich reichlich mit grüner Sprühfarbe ausgetobt.

Außerdem waren da ein paar fette Lackschäden.

Body

Der große Lackschaden war fies. Da half nur eins. Der Lack und die darunterliegende Polyesterschicht musst runter. In der Industrie wird gerne Polyester statt Porenfüller genutzt.
 
Vorteil ist, daß das Zeug ultrahart ist, als 2K schnell trocknet und sich super als Basis für hochglänzende Lackierungen eignet. Außerdem müssen die Kanten des Bodys nicht sauber gearbeitet sein. Polyester kaschiert das.
 
Nachteil ist, daß das Zeug ultrahart ist. Bei einem "Unfall" reißt es gerne bis auf's Holz oder platzt in Stücken ab.
 
Es musste also runter. So easy mit der Heissluftpistole, wie in etlichen Youtube Videos zu sehen, geht das nicht. Selbst bei 500 Grad bekommt man es nicht runter. Und wenn es geht, hat man Brandspuren auf dem Holz. Und ein Spachtel macht macken ins Holz. Ein Plastikschaber (wie in den Videos) schmilzt.
 
Ich habe dann Vorder- und Rückseite mit dem Excenterschleifer (erst 80er, dann 240er) bearbeitet. Die Seiten wurden mit der Klinge eines Teppichbodenmessers als Ziehklinge von Lack und Polyester befreit. Und dann Band- und Walzenschleifer. Im Bereich des großen Cracks war der Spühlach durch die Risse bis in Holz eingedrungen. Da musste mehr weg. Und die runden Kanten waren rau. Aber ich wollte ohnehin größere Rundungen anfräsen.
 
Beim Fräsen der Rundungen auf der Unterseite löste sich dämlicherweise die Arretierung der Fräse. Zuviel weggefräst und eine häßliche Kante. Ok - also feilen und schleifen.
 
Aber ich wollte die Kontour des Bodies ja ohnehin ändern.
 
Für den Einbau des Batteriefaches wurde eine Schablone angefertigt. Spätestens beim nächsten Batteriefach lohnt sich der Aufwand. Im E-Fach muste etwas platz für den Preamp geschaffen werden.
 
Anschliessend gebeizt. Nach dem Beizen sah man ein paar Schleifmarken (nicht fühlbar) und am Hirnholz war das Holz deutlich dunkler. Es hatte die Beize einfach ungleichmässig aufgenommen. Danach mit Rustin's Danish Oil behandelt und das E-Fach mit Rockinger Abschirmlack abgeschirmt.
 

Hals und Sattel

Zuerst zerlegt, die Farbe runter (Aceton), alle Mechaniken auseinandergebaut und alles "entgrünt". Der Lack der Kopfplatte war hin. Also neu lackiert.

Als nächstes kamen 2 Dellen und der Skunkstripe dran. Bei dem hatte sich durch Schrumpfung an einer Stelle die Verleimung gelöst. In den schmalen Ritz liess ich dünnflüssigen Sekundenkleber einsickern. Danach Sekundenkleber medium und mit einer Rasierklinge (Glasschaber - die hat 'ne Schutzkante) plan gearbeitet und mit 1000er nass geschliffen.

Die beiden Dellen wurden analog behandelt. Sekundenkleber medium, Ziehklinge und Nassschliff. Dauert 'ne Weile.

Das Finish erhielt der hals dann mit Micromesh bis der gewünschte Glanzgrad erreicht.

Als nächstes waren die Bünde dran. 2 mussten ersetzt werden. Also heiss machen, ziehen und neue rein. Beim Feilen der Bundenden fiel auf, dass die Bünde sich auf der Seite, wo sie den Schlag bekommen hatten, leicht bewegten. Keine Beinbruch - einkleben. Tesafilm (da klebt kein Sekundenkleber dran) schützte die Seiten des Halses und Hartwachs (Bohnerwachs - engl. Paste Wax) das Griffbrett. Dünnflüssigen Sekundenkleber in die Ecke zwischen Griffbrett und Bund (der sickert durch die Kapillarkraft ein), das ganze verpressen und über Nacht trocknen lassen.

Dann die Bünde abgerichtet und einen neuen Sattel (Knochen) gefertigt und den Bass zusammengebaut.

Für den Sattel brauchte ich 3 Versuche. Ich habe Dutzende Sättel für Gitarren und einige für 4 Saiter Bässe gemacht. Aber erst einen für einen 5 saitigen Bass. Und der hatte als tiefste Saite nur eine 0.105 und als höchste eine E-Gitarrensaite. Ziemlich speziell.

5 "normale" Saiten am Bass sind was anderes.

Erst mit Seitenabstand 3.5mm versucht. Die tiefe B-Saite war zu dicht an der Griffbrettkante und es war zuwenig Material vom Sattel zwischen Saite und Außenkante.

2. Versuch mit 4,5mm Abstand. Aber was bei einem 4 Saiterbass noch gut funktioniert, muss bei einem 5 Saiter nicht funktionieren. Nadem die Saiten drauf waren, sah dass einfach Sch..e aus. Technisch ok - optisch Mist.

Warum? Bei einem 4 Saiter ist die tiefste Saite z.B. 0.105". Bei einem 5 Saiter 0.135". Das ist 0,5mm Unterschied. Das ganze führt dazu, dass der Saitenmittenabstand von tiefster und höchster Saite zur Griffbrettkante zwar gleich ist, der Abstand von Griffbrettkante zur Saite (außen) nicht. Und das sieht blöd aus. Also asymetrisch feilen, damit es symmetrisch aussieht.

Der 3. Versuch war dann ok. Wieder was dazu gelernt.

Elektrik

Hier standen 2 Sachen an:
  • Pickup umbauen
  • Aktive Elektronik
Zuerstmal kam der der Pickup dran. Humbucker und nur einadriges Koaxialkabel - das ging gar nicht. Vergussmasse mit dem Föhn erwärmt und rausgepult. Danach konnte der Humbucker aus dem Gehäuse entnommen werden. Das Gehäuse wurde dann neu poliert.
 
Die Verschaltung des Humbuckers war schlimmer als befürchtet. Beide Spulen parallel geschaltet und Masse und Abschirmung über den Außenleiter des Koaxkabels. Das würde geändert. 4-adriges Kabel + separate Abschirmung dran gelötet, Humbucker wieder ins Gehäuse und neu verklebt.
 
Damit waren alle Schaltungsmöglichkeiten (seriell, split und parallel) möglich. Die Spulen des Pickups haben einen Widerstand von ca. 3 KOhm und kommen damit dem originalen Sterling Pickup sehr nahe.
 
Als Preamp kam der Classic Bass Preamp - Preamp Bausatz (Musikding) von Andreas Hoppe zum Einsatz, der auf der originalen Schaltung des Music Man Stingray basiert.
 
Alles zusammengelötet (wo zum Henker erkennt man Pin1 bei einem IC? Hab#s dann gefunden) und eingebaut. Funktionstest - alles lief wie geplant.
 

Setup und fertig

Da kam erstmal eine böse Überraschung. Der Hals hatte einen Backbow. Und die Saiten zogen das nicht. Irgendein Rind hatte mal die Halsstabmutter voll angeknallt. Halsstabmutter gelöst und den Bass über nacht liegengelassen. Der Backbow war fast raus.
 
Hätte ich den Bass noch ein paar Tage so liegen gelassen, wäre der Backbow auch von alleine rausgegangen. Aber das kann man beschleunigen. Den Bass gestimmt und den Hals mit der Heissluftpistole warm gemacht und dann unter Saitenzug abkühlen lassen. Der Backbow war raus und der Bass liess sich prima einstellen. Fertig. Mordsbumms das Ding.
 
 
 
 
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